Als Christoph Günther an Bahn 15 des Golf Club Würzburg das zweite Double-Bogey des Tages auf seiner Scorekarte notierte, habe er sich erst geärgert und dann an Rory McIlroy gedacht. „Er hat mit zwei Double-Bogeys in der letzten Runde sogar das Masters gewonnen“, sagt Günther. Für den 50-jährigen Golflehrer aus dem Golfclub Bad Wörishofen endete der Tag dann tatsächlich auch mit dem Sieg bei der German PGA Seniors Championship 2025. Drei Birdies auf den letzten drei Bahnen ließ er dem Malheur folgen und kletterte damit wieder an die Spitze des Leaderboards, das er den Tag über auch lange angeführt hatte. Den Putt zum Sieg lochte Günther (67, 70, 69/206) vom Rand des 18. Grüns aus etwa fünf Metern.
Paul Archbold schlägt auf der 18 ins Wasser
Damit verdrängte er Glen Hutcheson (66, 73, 68/207) vom Golfclub Taunus Weilrod, mit dem er in der letzten Gruppe spielte, um einen Schlag auf den zweiten Rang. Dritter wurde Paul Archbold (69, 71, 68/208) aus dem Golf & Country Club Seddiner See, der zwischenzeitlich in Führung lag. Der wahrscheinlich turniererprobteste Spieler – mit Teilnahmen an Senior Open Championship und US Senior Open – hatte seine Siegchancen durch einen Schlag ins Wasserhindernis hinter dem 18. Grün zunichte gemacht. „Ich habe leider den falschen Schläger gewählt und bin dafür bestraft worden“, ärgerte sich Archbold. Andererseits sei er froh, nach einer Meniskus-OP im Mai bereits wieder vorne mitspielen zu können.
Die Wertung der Super-Senioren (über 60 Jahre) gewann Andrew MacDonald (75, 68, 73/216) von der Golfacademy Sonnenalp Oberallgäu. Würzburgs Heimpro Stuart Bannerman, im vergangenen Jahr noch geteilter Dritter, musste diesmal aufgrund von Rückenbeschwerden kurzfristig absagen.

96 Senior-Golfprofessionals (50 Jahre und älter) hatten im Golf Club Würzburg drei Tage lang um die stattliche PGA-Trophäe und das ebenso beachtliche Preisgeld von 20.000 Euro gespielt. Stifterin ist Hella Schoepe-Praun, die ihrem verstorbenen Bruder Dieter Praun ein ehrendes Andenken bewahren will. Die German PGA Seniors Championship trug bereits zum vierten Mal den Beinamen Dieter Praun Trophy.

Sieger Christoph Günther, der erst vor drei Wochen das für die Teilnahme nötige Alter von 50 Jahren erreicht hat, lobte das starke Teilnehmerfeld. „Die vielen verschiedenen Landesfahnen auf dem Leaderboard unterstreichen, welchen immensen Beitrag Engländer, Schotten, Südafrikaner, Australier und andere für die Entwicklung von Golf in Deutschland geleistet haben und immer noch leisten“, so Günther. Von seinen deutschen Golflehrerkollegen wünsche er sich noch mehr Begeisterung für das eigene Spiel. Dass Hella Schoepe-Praun das Preisgeld aus eigener Tasche stemme, sei bemerkenswert und sehr außergewöhnlich.
Christoph Günther – ein außergewöhnlicher Typ
Aber auch der Sieger selbst ist ein außergewöhnlicher Typ: Wenn es sich bei Christoph Günther mal nicht um Golf dreht, dann ist er als ambitionierter Triathlet bis hin zur Langdistanz unterwegs. Zu seinen größten Erfolgen als Golfer zählen der Gewinn der Kärnten Open auf der European Challenge Tour im Jahr 2009, der Sieg bei der German PGA Championships 2003 sowie die German PGA Teachers Championships im Jahr 2001 und 2016. Mit dem Unternehmen und der Marke PROject GOLFworld betreibt er sechs Golfschulen. Außerdem veranstaltet Günther die Jugendgolfserie Forefreude.

Würzburgs Clubpräsident Bernhard May dankte den Professionals für die Wertschätzung, die sein Team während der German PGA Seniors Championship erneut für den Platz, die Gastronomie und die Ausrichtung des Turniers erhalten hätten. „Das alles muss ich jetzt erst einmal verarbeiten“, scherzte der Vize-Präsident des Deutschen Golf Verbandes. Und verkündete: Im kommenden Jahr wird die Meisterschaft von Deutschlands PGA-Senioren –womöglich mit einem noch größeren Teilnehmerfeld – erneut im Golf Club Würzburg stattfinden. Das freute auch Kariem Baraka, den Präsidenten der PGA of Germany, der für den Finaltag nach Mainfranken gekommen war und die Siegerehrung übernahm.
Hole-in-one von Christoph Scholz
Der Schlag des Finaltages war Christoph Scholz vom Golfclub Lichtenau-Weickershof gelungen. An Bahn 5 lochte er aus 131 Metern direkt ein zum Hole-in-one – seinem ersten überhaupt. Der geteilte Neunte (216 Schläge) sagte: „Es ist mein erstes Preisgeld von der PGA, aber es geht in Luft auf, denn ich spendiere allen Spielern, Volunteers und Turnierverantwortlichen sehr gerne ein Getränk.“