StartArtikelWie künstliche Intelligenz im Golfclub helfen kann

Wie künstliche Intelligenz im Golfclub helfen kann

Die Leading Golf Clubs of Germany entwickeln eine eigene KI, um Abläufe auf Golfanlagen zu verbessern und Mitglieder stärker an den Club zu binden. 

Künstliche Intelligenz im Golfclub
Anzeige

„Wir wollen die Speerspitze der Innovation sein“, sagt Dr. Daniel Neuß, Leiter des Servicecenters der Leading Golf Clubs of Germany. Seit Monaten arbeitet der Wirtschaftsinformatiker an einer künstlichen Intelligenz, maßgeschneidert auf die Bedürfnisse und Anforderungen von Golfclubs. Seine „Leading AI“ (artificial intelligence) stellte Neuß am Freitag den Mitgliedern des Qualitätsbündnisses – darunter Golf-Club Neuhof, Golf Club Würzburg, Mainzer Golfclub, Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne und Golf Club Hanau-Wilhelmsbad – auf der jährlichen Mitgliederversammlung in Würzburg vor. Begrüßt wurden die Teilnehmer zuvor von Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig. „Für uns als Stadt Würzburg ist die Golfanlage von einem unglaublichen Wert, auch weil sie beim Sport, in Sachen Ökologie und in der Digitalisierung vorangeht, nun beim Thema KI“, sagte Heilig in einer kurzen Ansprache.

ChatGPT-Einsatz für Clubs nicht unproblematisch

Ob in der Mitgliederbetreuung, beim Erstellen von Social-Media-Beiträgen, im Beschwerdemanagement, dem Einlernen neuer Mitarbeiter oder bei der Analyse des Nutzungsverhaltens – es gebe viele Ansätze, bei denen künstliche Intelligenz die Abläufe in einem Golfclub beschleunigen und verbessern könne, so Neuß. Hier und da setzten Clubmanager, Sekretariate und Vorstände bereits KI ein. Allerdings sei es nicht unproblematisch, wenn Club- und Mitgliederdaten ihren Weg zu ChatGPT machten.

„Damit der Einsatz der KI mit der Datenschutzgrundverordnung konform ist, haben wir einen eigenen geschützten Server in Frankfurt und verwenden Open-Source-KI“, erklärte Neuß. Man setzte der KI enge Schranken: Sie werde bewusst nicht trainiert, sondern greife beim Verwenden stets aufs Neue auf notwendige Daten und Informationen zu. „Diese befinden sich gewissermaßen in einer geschützten Schublade, über die allein der Golfclub verfügt.“

„Leading AI“ ist dabei ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe von KIs, die je nach Spezialisierung für gezielte Aufgaben zum Einsatz kommen. „Entscheidend ist, dass bei allen Prozessen am Ende immer auch der Mensch eingebunden ist“, betonte Neuß. Schließlich neige die künstliche Intelligenz mitunter zum Halluzinieren. Ohne einen letzten aufmerksamen Blick eines Mitarbeiters sollte keine KI-generierte E-Mail das Clubsekretariat verlassen.

Vortrag von s.Oliver-Personalchef Thomas Lurz

Dass die künstliche Intelligenz viele Chancen bietet, man mit ihr aber auch Schiffbruch erleiden kann, verdeutlichte der ehemalige Freiwasserschwimmer und Olympiateilnehmer Thomas Lurz in einem Vortrag. Ein mit KI erzeugtes Werbevideo habe seinen Arbeitgeber s.Oliver bereits ungewollt in Bedrängnis gebracht, berichtete der Personalchef des Konzerns. Zu sehr ähnelten sich das künstlich generierte Model und das Model aus einer früheren Werbekampagne. Kosten- und Effizienzgewinn locken, aber Fallstricke lauern, wenn KI zum Einsatz kommt – so die Erkenntnis.

Für die Anwendung im Golfclub umfasst die künstliche Intelligenz der Leading Golf Club of Germany eine Reihe von sogenannten Agenten. Sie decken die verschiedenen Rollen und Kompetenzen im Golfclub ab, vom Clubmanager über das Sekretariat bis zum Greenkeeper, und greifen auf das jeweils notwendige Clubwissen zu. „Dadurch lassen sich auch neue Mitarbeiter deutlich leichter einlernen, weil sie ihre Fragen einfach an den Agenten richten können“, schilderte KI-Fachmann Daniel Neuß. Das Qualitätsbündnis von aktuell 39 Clubs dürfte durch die „Leading AI“ weiter an Attraktivität gewinnen.

Golf-Club Hof Hausen ist bereits in der Umsetzung

„Natürlich bedeutet das Einführen der Leading AI im Club zunächst einmal Mehrarbeit, aber wir sind vom enormen Mehrwert überzeugt und daher als Golf Club Würzburg unter den Pilotclubs“, sagte Leading- und GCW-Präsident Bernhard May. Zu den Schnellsten in der Umsetzung zählt auch der Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne, der einen umfassenden Clubwissensschatz bereits zusammengetragen hat und zeitnah die „Leading AI“ in Betrieb nehmen wird.

Laut Daniel Neuß kann die künstliche Intelligenz auch dabei helfen, Mitglieder stärker an den Golfclub zu binden, die Zufriedenheit zu steigern und damit Austritte zu verhindern. Wer im letzten Jahr noch an 20 Turnieren teilgenommen hat und plötzlich im Club kaum noch in Erscheinung tritt, könnte in Vergessenheit geraten. „Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Veränderungen im Nutzungsverhalten der Mitglieder zu erkennen“, erklärte Neuß. „Vielleicht ist das der Moment, in dem man als Clubmanager mal eine E-Mail schreibt und fragt, ob alles okay ist.“ 50.000 Menschen kämen dem Golfsport Jahr für Jahr abhanden – nicht alle aus Altersgründen. Vielleicht könne die KI diese Drop-out-Quote minimieren.

Wie weit die Veränderungen durch KI in zehn Jahren fortgeschritten sein werden, wollte sich Thomas Lurz nicht anmaßen zu beantworten. „Es wäre vermessen, das zu prognostizieren, so rasant und gravierend wie die Technik die Prozesse verändert“, so der 12-fache Schwimmweltmeister. Der Einsatz von KI müsse derweil nicht in jedem Fall den Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge haben. Schließlich könnten manche Aufgaben, die Unternehmen bisher ausgelagert haben, mit Hilfe von KI plötzlich wieder selbst leisten. „Mit Sicherheit kann man auch sagen, dass wir uns jeden Tag mit dem Thema KI beschäftigen sollten“, appellierte Lurz an die Vertreter der Leading Golf Clubs of Germany.

Anzeige
Anzeige

Angebote aus den Golfclubs