StartArtikelPhotovoltaik und Mähroboter: „Lösung für viele Golfclubs“

Photovoltaik und Mähroboter: „Lösung für viele Golfclubs“

Lange hat er gezögert, nun setzt der Golfpark Rosenhof voll auf autonomes Mähen. Dank eigenem Strom aus Sonnenlicht spart der Club ab sofort viel Geld.

Norman Lang freut sich über autonomes Mähen und Photovoltaik im Golfpark Rosenhof
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Das Warten hat sich gelohnt. Mit dem Einsatz von autonomen Mähern im Golfpark Rosenhof hat Geschäftsführer Norman Lang zwar schon lange geliebäugelt. Aber Inhaber und Schwiegervater Andrew Payne hat ihn in den vergangenen Jahren zurückgehalten. „Jetzt haben wir definitiv den perfekten Zeitpunkt erwischt, um einzusteigen“, ist Norman Lang überzeugt. Seit Ende April sind auf der 18-Loch-Golfanlage in Niedernberg 17 Mähroboter im Einsatz. Sie mähen das Semirough, alle Fairways und sogar einen teppichgleichen First Cut – angetrieben von Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage.

„Das Mähbild war schon nach einer Woche besser“

Zum Sinneswandel kam es, als der Golfpark Rosenhof zwei große konventionelle Mäher ersetzen musste. Kostenpunkt: 250.000 Euro. Antriebsart: Diesel. Noch einmal in die alte Technik investieren, oder einen neuen Weg gehen? Die Antwort auf diese Frage suchten Norman Lang, Andrew Payne und Headgreenkeeper Henri Minizsewska in einer dreimonatigen Testphase mit vier verschiedenen autonomen Mähern. „Die Qualität der Rasenflächen und das Mähbild haben sich schon nach einer Woche merklich verbessert“, gesteht Payne, der die Technik zuvor lange für nicht ausgereift gehalten hatte.

Was der Rosenhof dann anders machte als die meisten Golfanlagen: Er entschied sich für zwei verschiedene Fabrikate. Elf wendige Mäher der chinesischen Marke Kress übernehmen nun die Pflege des Semiroughs, während sechs große Mähroboter des deutschen Herstellers Echo die Fairways samt First Cut trimmen. „Die Herausforderung war, beide Systeme gemeinsam zu betreiben“, betont Norman Lang. Heißt: Ein Magnetfeld für zwei verschiedene Maschinen. Mit der Hilfe von Julian Hüsken von der Firma ZG Raiffeisen Technik aus Walldürn gelang dies.

Lukrativ: Photovoltaik und autonomes Mähen

500.000 Euro hat der Golfpark Rosenhof für die neue Mäherflotte inklusive Ladestationen bezahlt. Auf den ersten Blick könnte man einwenden, Norman Lang hätte es billiger haben können. Allerdings bekam die Betreibergesellschaft für ihre Investition ins autonome Mähen über ein Förderprogramm des BAFA einen staatlichen Zuschuss von 50 Prozent. Die wirkliche Ersparnis liegt aber ohnehin bei den laufenden Kosten. Statt mit – gerade derzeit – teurem Diesel tankt der Rosenhof seine Mäher nun mit selbst produziertem Strom. Seit 2025 haben die Niedernberger auf Caddiehalle und Clubhaus eine eigene Photovoltaikanlage, die bis zu 130 Kilowatt Leistung erzeugt.

„Bisher haben wir für die Mäher, die wir jetzt ersetzt haben, jährlich etwa 70.000 Euro für Kraftstoff, Öl, Wartung und Ersatzteile ausgegeben“, berichtet Norman Lang. Ab sofort rechne er mit nur noch mit maximal 5000 Euro pro Jahr. Unter anderem das teure Schleifen von Spindeln entfalle. „Die Klingen für die Mähroboter kosten einen Centbetrag“, so Lang. In höchstens drei Jahren habe sich für den Golfpark Rosenhof die Investition ins autonome Mähen amortisiert.

Kein Geheimnis machen aus den Erfahrungen beim Umstieg

Ihre Erfahrungen beim Umstieg und beim erfolgreichen Beantragen von Fördermitteln könnte laut Andrew Payne auch anderen helfen: „Das Zusammenspiel aus Photovoltaik und autonomen Mähern kann eine Lösung für viele Golfclubs sein.“ Payne, der schon lange auch andere Golfanlagen berät, will aus diesem Wissen kein Geheimnis machen. Gerade Golfanlagen abseits von Metropolen und mit weniger Mitgliedern könnte es aus seiner Sicht dabei helfen, zu überleben. Schließlich hätten die stark gestiegenen Kosten für Diesel, Dünger, Sand und Maschinen viele Clubs an den Rand ihrer Existenz gebracht.

Der Golfpark Rosenhof geht nun sogar noch deutlich weiter. An alle Ladestationen auf dem Golfplatz wurden nicht nur Strom, sondern auch Glasfaserleitungen gezogen. Mähroboter und Beregnungsanlage sind bereits aufeinander abgestimmt und kommen sich nicht in die Quere. Als nächstes sollen die Fairwaymäher mit einer Kameratechnik aufgerüstet werden, die die Bodenfeuchte misst. Gewässert wird dann nicht mehr pauschal, sondern nur noch bedarfsgerecht. Das schont Ressourcen – genauso wie das kontinuierliche Mähen, bei dem der feine Rasenschnitt dem Boden direkt wieder als Dünger zugeführt wird.

Der Beruf des Greenkeepers wird interessanter

Seine sechs Greenkeeper benötige der Golfpark Rosenhof dennoch auch in Zukunft, beteuert Geschäftsführer Lang. Zumal das Team auch die Golfplätze in Miltenberg und Erftal pflege. „Wir werden niemanden entlassen, sondern profitieren davon, dass nun mehr Zeit für andere Aufgaben bleibt“, sagt Lang. Durch die Digitalisierung des Pflegebetriebs mit Daten-Dashboard und weniger stumpfem, stundenlangem Mähen werde der Beruf des Greenkeepers interessanter. „In Zeiten, in denen es schwierig ist, Fachkräfte zu bekommen, kann das ein Plus sein.“

Das nächste Projekt haben Norman Lang und Andrew Payne schon beschlossen: Sie wollen die Photovoltaikanlage und ihren Speicher erweitern und auch die Driving Range auf einen autonomen Mäher und Ballsammler umstellen. Entsorgt hat der Golfpark Rosenhof seine konventionellen Mäher indes nicht. Die Grüns werden weiterhin mit Spindelmähern gemäht und die alten Fairwaymäher bleiben zur Sicherheit noch einsatzbereit.

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