Dass Aufsteiger zu großen Dingen imstande sind, hat der Golf Club Am Habsberg gerade mit dem Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft bewiesen. Das Herren-Team des Golf-Club Main-Taunus – gewiss eine Nummer kleiner – versucht am kommenden Sonntag, eine ähnliche Erfolgsgeschichte zu schreiben. Die Wiesbadener sind als Aufsteiger in die Zweitligasaison gestartet und in der West-Gruppe Meister geworden. Im Spiel um den Aufstieg in die Erste Bundesliga trifft der Golf-Club Main-Taunus nun in Hamburg auf den Golf-Club Hannover. Gewinnen die Delkenheimer dieses Duell, wäre der Golf-Club Main-Taunus erstmals in seiner Clubgeschichte Erstligist.
Ehrlichkeit zu sich selbst als Erfolgsrezept
„Ich muss allen unseren Spielern ein Lob aussprechen für die Ehrlichkeit gegenüber ihrer eigenen Leistung“, sagt Team-Kapitän Martin Stoll. Da die Mannschaft keinen Coach hat, bezieht Stoll die Spieler in wichtige Entscheidungen ein. Zum Beispiel beim Spieltagskader. Wer ist gerade am besten drauf? Wer nicht? Dies offen einzugestehen und im Zweifelsfall auch mal auf einen Einsatz zu verzichten, sei einmal mehr das Erfolgsrezept des Teams gewesen, erklärt Stoll.
Die Rolle des Fluglotsen und leidenschaftlichen Blues-Musikers beschränkt sich ganz auf das Organisatorische und Mentale. Auch wenn Stoll selbst ein hervorragender Golfer ist, gibt er den Spielern seines Teams keine Schwung- oder Trainingstipps. Er hat das große Ganze im Blick, moderiert, motiviert – und vertraut. „Ich gebe keine Spieltaktik vor, sondern sage den Jungs: Wenn ihr euch den Schlag zutraut, dann ist es der richtige Schlag“, so Stoll. Viele Stresssituationen entstünden dadurch erst gar nicht.
Alle Spieler des 16er-Kaders kamen zum Einsatz
Die beiden Neuzugänge Kenji Nakajima (zuvor Golf- und Land-Club Köln) und Maximilian Schad (Golf-Club Pfalz) etablierten sich sofort als Leistungsträger. Jan Niklas Ludwig kehrte nach einer Long-Covid-Erkrankung zurück und fügte sich mit seinen Scores nahtlos ins Team ein. Letztlich kamen alle Spieler des 16er-Kaders in dieser Saison zum Einsatz. Viermal wurde der Golf-Club Main-Taunus Spieltagszweiter, am letzten Spieltag sogar Erster.

„Wir wussten vor der Saison überhaupt nicht, wo wir uns in der Liga leistungsmäßig einsortieren würden, weil wir die Teams aus der West-Gruppe schlichtweg nicht kannten“, gesteht Kapitän Stoll. Ähnlich ist es nun vor dem Aufstiegsspiel im Hamburger Golf-Club Falkenstein, wo die Hessen der Golf-Club Hannover erwartet. Die Niedersachsen sammelten in der Nordgruppe 20 Punkte, der Golf-Club Main-Taunus im Westen 21. Allerdings beendete Hannover die Saison mit sechs Schlägen über Par, Main-Taunus mit 152.
„Rein nach den Handicaps zu urteilen, ist der Gegner im Durchschnitt um 0,5 bis 1 Punkte besser“, hat Stoll schon in Erfahrung gebracht. Aber das sei im Lochspiel nicht relevant. Vier klassische Vierer und anschließend acht Einzel werden im Relegationsspiel gespielt. „Wir fühlen uns im Lochspiel wohl, weil wir echte Fighter sind“, betont Stoll. Für einen Gegner, der sich mit Blick auf die Handicaps überlegen wähnt, könne es schnell frustrierend werden, wenn Lochgewinne ausbleiben.
Rückkehr von Delkenheimer Eigengewächsen?
Im vergangenen Jahr stand mit den Herren des Golf-Club Neuhof ebenfalls ein Team aus Hessen im Aufstiegsspiel zur Ersten Liga. Die Neuhöfer verloren auf dem Platz des Frankfurter Golf Club gegen den Golf Club Am Habsberg, der da schon seine enorme Klasse andeutete. Martin Stoll ist sich der Herausforderung bewusst, die im Falle eines Aufstiegs auf sein Team zukäme. „Ich sehe aber nicht, dass wir dann unsere DNA verkaufen und Klinken putzen gehen, um unser Team erstligareif zu casten“, betont Stoll. „Vielleicht haben ja Eigengewächse unseres Clubs wie Benedict Gebhardt oder Nicolas Eberhard Lust, nach Hause zu kommen“, sagt der Kapitän und lacht.
Schon für diese Saison hatten sich die Delkenheimer Spieler einen Teil ihres Team-Budgets selbst erarbeitet. In einem 12er-Scramble spielten sie eine 50er-Runde auf dem Par-72-Platz und sammelten damit von begeisterten Mitgliedern und Förderern mehr als 9000 Euro an Spenden ein. Eine ähnliche Aktion, diesmal nur mit 7er-Eisen, ist bereits geplant.
„Ich freue mich sehr, dass unser Herren-Team sich die Chance erspielt hat, aufzusteigen“, sagt Main-Taunus-Geschäftsführerin Alena Oppenheimer. Wie schon am letzten Spieltag im Golfclub Teutoburger Wald werde eine Reihe von Clubmitgliedern das Team auch in Hamburg unterstützen. „Es ist beeindruckend, mit welchem Engagement Martin Stoll ein eingeschworenes Team geformt hat“, schwärmt Clubpräsident Stephan Ziegler vom engagierten Team-Kapitän. Am letzten Spieltag in Ostwestfalen war Ziegler als Unterstützer mit dabei, diesmal muss er passen und das Geschehen aus der Ferne im Livescoring verfolgen. Der Präsident sagt: „Ich blicke mit Optimismus auf den Sonntag und würde dem Team den Aufstieg von Herzen gönnen.“
















