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Warum wird man Spielleiterin, Frau Brück?

Komplizierte Regeln, Diskussionen mit Spielern und Urlaub nehmen für Turniere: Trotzdem würde Dagmar Brück ihre Ausbildung zur Spielleiterin sofort wieder machen.

Dagmar Brück Spielleiterin
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Dagmar Brück kann sich noch gut an die Kälte erinnern. Bei der Golfing Knights Junior Open auf dem Golfplatz Altenstadt saß sie im vergangenen Jahr als Platzrichterin stundenlang in ihrem Cart, immer bereit für Regelfragen, aber tiefgefroren vom eisigen Wind. „Ich kam mir zwischendurch selbst vor wie ein Alien“, sagt die Bad Homburgerin und lacht. Brück ist nach einer zweijährigen Ausbildung zur Spielleiterin bei Hessenmeisterschaften, Qualifikationen zur Deutschen Meisterschaft und anderen Golfturnieren in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland als Referee im Einsatz – in ihrer Freizeit. Warum tut man sich das freiwillig an?

Dagmar Brück: „Der Kurs hat mich fasziniert“

„Ich bin da so reingeschlittert“, sagt Dagmar Brück. Sie hatte sich zunächst entschieden, beim Hessischen Golfverband (HGV) die dreitägige Ausbildung zur Clubspielleiterin zu machen. Ein überschaubarer Aufwand für die Kapitänin der AK50-Damen des Royal Homburger Golf Clubs. Die grundlegenden Golfregeln aufzufrischen, kann nie schaden. „Der Kurs hat mich dann fasziniert, genauer gesagt: die vielen praktischen Fallbeispiele und Anekdoten der Kursleiter“, so Brück. Das habe in ihr die Motivation geweckt, anschließend die deutlich umfangreichere Ausbildung zur Spielleiterin der Region 4 zu machen.

Neben Begleiteinsätzen von erfahrenen Spielleitern und Platzrichtern bei Golfturnieren zählt das Büffeln der Golfregeln dazu. „Ein 300 Seiten dicker Schinken, teils sehr kompliziert formuliert, weil alles aus dem Englischen übersetzt ist“, sagt Dagmar Brück und atmet einmal tief durch. Es sei selbst für Platzrichter unmöglich, alle Golfregeln auswendig zu kennen. Wichtig sei es, in verzwickten Fällen zu wissen, wo man die Antwort auf eine Regelfrage findet. „Ich hatte am Anfang den Anspruch an mich, jede Frage direkt beantworten zu müssen“, sagt Brück. Um selbst in exotischen Situationen Sicherheit zu entwickeln, brauche es aber Jahre.

Schiedsrichterei im Golf ist Teamwork

Da hilft es, dass auch im Golf die Schiedsrichterei Teamwork ist. Ein Spielleiter und ein bis zwei Platzrichter verteilen sich gewöhnlich so auf dem Platz, dass einer immer möglichst schnell dort ist, wo Spieler um ein „ruling“ bitten. Liegt die Antwort nicht auf der Hand, stimmen sich die Referees untereinander ab, per Funkgerät oder direkt am Ort des Geschehens – daher die Carts.

Möglichst wenig Fragen offen lassen: Dagmar Brück beim Präparieren des Golfplatz Altenstadt für die Golfing Knights Junior Open 2026. Foto: Markus Rott

„Es ist legitim, dass die Spieler versuchen, die Golfregeln zu ihren Gunsten auszulegen“, sagt Dagmar Brück. Manchmal mit Erfolg, manchmal ist die Argumentation aber auch an den Haaren herbeigezogen. „Unangenehm wird es aus meiner Erfahrung erst, wenn Coaches oder Eltern von außen Druck aufbauen und versuchen, Einfluss zu nehmen“, berichtet Brück. Kritische Situationen mit Auseinandersetzungen, wie sie sich regelmäßig im Amateurfußball zutragen, habe sie nicht erlebt. „Auf dem Golfplatz geht es im Großen und Ganzen schon gesittet zu“, sagt Brück.

Zur Aufgabe einer Spielleiterin gehört indes deutlich mehr, als Regelfragen zu entscheiden. Dagmar Brück und ihre Referee-Kollegen sind bereits für das Setup des Platzes verantwortlich. Vor Turnier- bzw. Rundenbeginn verbinden sie rote, gelbe und weiße Pfähle mit Linien aus Sprühfarbe und bestimmen die Fahnenpositionen. „Im Idealfall präparieren wir den Platz so, dass die Spieler mit möglichst wenig Fragen über die Runde kommen“, erklärt Dagmar Brück. Gute Vorarbeit verhindert Frust, Konflikte – und langsames Spiel. Auch darum geht es, gerade wenn ein großes Teilnehmerfeld über den Platz muss.

Für Spesenerstattung ist Brück nicht Spielleiterin geworden

Was man für seine tagelangen Einsätze als Spielleiter bekommt? Die Erstattung der Spesen für Unterkunft und Verpflegung. „Für die Aufwandsentschädigung mache ich es nicht“, stellt Dagmar Brück klar. „Es ist ein Ehrenamt.“ Schließlich erstrecken sich manche Turniere nicht nur übers Wochenende, sondern erfordern auch, dass Dagmar Brück sich Urlaub nimmt. Entsprechend sei sie bisher in den meisten Clubs auch mit Wertschätzung und Dankbarkeit empfangen worden. „Toll ist, dass wir Referees gutes Golf und Emotionen zu sehen bekommen“, sagt sie. Außerdem trage sie gerne Verantwortung.

Das gilt auch für den Beruf von Dagmar Brück. Sie leitet seit sieben Jahren die Verwaltung der Paul-Ehrlich-Klinik in Bad Homburg, eine Rehaklinik direkt am Kurpark. „Ein paar Jahre muss ich noch arbeiten, aber ich habe mir bewusst schon jetzt eine interessante Aufgabe gesucht, die ich auch nach meiner beruflichen Laufbahn fortführen kann“, erzählt Brück. Wenn sie nicht als Platzrichterin unterwegs ist, sondern selbst Golf spielt, dann am liebsten mit Golferinnen und Golfern, die sie sportlich herausfordern – so wie ihr Heimplatz. „Unseren New Course in Bad Homburg habe ich mit der Zeit lieben gelernt, weil er einen lehrt, präzise zu spielen“, sagt Brück.

Aktuell ist Dagmar Brück bis zum 7. April wieder bei der Golfing Knights Junior Open 2026 auf dem Golfplatz Altenstadt als Platzrichterin im Einsatz.

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