Seinen ersten Bunker hat Andrew Payne gebaut, da war er noch Schüler. Mit einer Schaufel und der Hilfe von ein paar anderen Jungs aus seinem Team machte er sich daran, dem Windermere Golf Club einen Bunker zu verpassen. „Unser Platz hatte keinen“, erzählt Payne. „Ein großer Wettbewerbsnachteil für uns, weil wir die Schläge aus dem Sand nicht üben konnten und auf anderen Plätzen dann schlecht aussahen.“ Das konnte nicht so bleiben. Schließlich hatten er und seine Teamkameraden große Ziele im Golf. Dass er noch unzählige weitere Sandbunker in seinem Leben bauen würde, konnte Andrew Payne damals nicht ahnen.
Auflagen wie für einen Flughafen
64 sind es allein auf dem 18-Loch-Meisterschaftsplatz des Golfpark Rosenhof in Niedernberg. Payne hat ihn selbst entworfen, gebaut, 2011 eröffnet und betreibt ihn bis heute. „Der Rosenhof ist mein Lebenswerk“, sagt der 68-Jährige. Ein Haufen Arbeit, angefangen mit der Genehmigung. „Vor lauter Auflagen hatte ich den Eindruck, ich würde einen Flughafen bauen“, sagt Payne und lacht mittlerweile darüber.
Beim Design hat er versucht, so nah wie möglich an die Linksplätze heranzukommen, auf denen er einst in Liverpool und Umgebung großgeworden ist. Kein leichtes Unterfangen, zumal die maximal zulässige Erdanhäufung 1,60 Meter betrug. Immerhin ist der Boden in Niedernberg so sandig wie das Dünenland an Nordenglands Westküste. „Andrew ist ein hands on guy, der selbst mit anpackt, auf den Trecker springt und seinen Leuten hilft“, sagt sein Freund und Golflehrerkollege Martin Pyatt aus Kronberg.
Paynes Vater Jimmy spielte 243 Mal für Liverpool
Zum Golf gekommen ist Andrew Payne durch seinen Vater James Bolcherson Payne. „Jimmy“, wie ihn alle nannten, machte zwischen 1948 und 1956 insgesamt 243 Spiele für den FC Liverpool und erzielte als Rechtsaußen beachtliche 43 Tore. Er war nicht nur ein guter Fußballer, sondern später auch ein begabter Golfer mit einem Handicap von 2. Zunächst im West Lancashire Golf Club. „Ich habe bei meinem Vater Caddie gemacht und ab dem Alter von 11 Jahren in allen Ferien zehn bis 12 Stunden pro Tag Taschen über den Golfplatz getragen und Geld verdient“, berichtet Andrew Payne. Familien von Profifußballern lebten damals noch nicht in Saus und Braus.
Er selbst, sagt Andrew Payne, sei als junger Golfer ein „böser Bub“ gewesen, der auch mal Schläger geschmissen und über dem Knie zerbrochen habe. Der Reiz des vergleichsweise ruhigen Sport habe für ihn schon damals im Duell ich gegen den Platz gelegen – ohne Ausreden. Familie Payne zog nach Windermere in der Urlaubsregion Lake District, als Andrew 14 war. Im Junior Team des Golf Clubs lernte er unter anderem den späteren Hanauer Head-Pro John Brennand kennen – der Beginn einer langen Freundschaft.
Sandy Lyle bekam 1000 Pfund, Andrew Payne Champagner
Am liebsten wäre Andrew Payne direkt nach der Schule Tourspieler geworden. Vater Jimmy bestand aber auf eine Ausbildung, zunächst im Hotel der Familie, dem Bordereggs Country House mit zwölf Zimmern, dann als Golflehrer im Heimatclub. Für sein erstes Turnier auf der European Tour qualifizierte sich Andrew Payne noch als Amateur. „Sandy Lyle und ich haben im Leatherhead Golf Club beide Platzrekord gespielt“, erinnert er sich. „Sandy Lyle bekam dafür 1000 Pfund, damals eine Menge Geld, und ich bekam eine Flasche Schampus.“ Auch das durfte unmöglich so bleiben.

Die European Tour, für die sich Andrew Payne bei der Q-School in Spanien auf Anhieb eine Kategorie erspielte, sah Ende der 70er-Jahre noch anders aus: März bis Oktober, 24 Events, alle entweder auf der Insel oder auf dem europäischen Festland.
„Das war eine schwierige Zeit, voller Ungewissheit und Anspannung“, sagt Andrew Payne im Rückblick. „Ganz Europa zu sehen, sich zu organisieren und mit Menschen zurechtzukommen, sind natürlich tolle Erfahrungen, die ich damals gesammelt habe.“ Aber Payne erinnert sich auch noch daran, wie er einen Winter lang sechs Tage die Woche Zwölf-Stunden-Schichten in einer Teppichfabrik arbeitete, nur um die Reisekasse für die nächste Saison wieder aufzufüllen. Drei Jahre lang spielte er auf der European Tour. „Keine 20.000 Pfund habe ich an Preisgeld verdient“, sagt Payne. „Meine Kosten konnte ich bei weitem nicht decken.“
Frankfurts Henning Strüver ließ Andrew Payne stehen
Der Versuch, anschließend als Golflehrer in England Fuß zu fassen, brachte keinen Erfolg. 70 Bewerbungen schrieb der tourerfahrene Pro, ohne Erfolg. Die meisten blieben sogar unbeantwortet. Payne probierte deshalb sein Glück in Deutschland, fuhr zur Golfmesse nach Ratingen. Jemand hatte ihm den Tipp gegeben, dort erführe er, wo es freie Stellen gibt. Zum Beispiel in Frankfurt, wo er schon einmal bei der German Open gespielt hatte. „Fast einen ganzen Tag habe ich in Frankfurt auf Head-Pro Henning Strüver gewartet“, erzählt Payne. „Als ich ihm sagte, dass ich als Golflehrer arbeiten wolle, verschwand Strüver und kam nicht mehr wieder.“
Mehr Glück hatte Andrew Payne in Hanau, wo er 1985 einen Vertrag als Golflehrer erhielt – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Nicht schlimm: Die Mitglieder freuten sich über die Möglichkeit, ihr Englisch aufzubessern. Aber das Ankommen in Deutschland machte es dem Engländer und seiner Frau Penny nicht leichter. „Um das zu ändern, habe ich bald Trainerstunden zum halben Preis angeboten, wenn sie auf Deutsch waren“, so Payne. Sein Stundenbuch war rappelvoll. Einer seiner Schüler: der junge Amateur Alex Cejka.
Wechsel nach Glashofen: Ein Acker und eine Driving Range
„Als ich nach fünf Jahren Hanau verlassen habe, um nach Glashofen zu gehen, wo es nur einen Acker und eine Driving Range gab, dachten die Leute, ich hätte einen Schuss“, sagt Andrew Payne. Es war ein entscheidender Schritt für ihn, den späteren Golfanlagenbetreiber. Denn in Glashofen baute er nicht nur den Golfplatz. Als Head-Pro half er auch mit, dass der Club nach drei Jahren 1000 Mitglieder zählte. Eine Erfahrung, die ihm gewiss Mut machte, 1995 den nächsten großen Schritt zu machen: nach Miltenberg.
„Ich hatte den Plan, dort einen Golfplatz zu bauen und selbst zu betreiben, und auch zwei Investoren, die mir ihre Unterstützung zugesichert hatten“, berichtet Andrew Payne. Er gründete seine GmbH, holte die Baugenehmigung – und wurde dann von seinen vermeintlichen Mitstreitern im Stich gelassen. „Da saß ich in der Scheiße.“ Drei Kinder, gerade ein Haus gebaut und kein Job. Viele schlaflose Nächte habe er damals gehabt.

Mit bescheidenen Bordmitteln baute er 1996 die ersten neun Bahnen in Erftal, ohne selbst Maschinen zu besitzen, geschweige denn eine Beregnungsanlage. Einen Rasenmäher lieh sich Andrew Payne, wenn der Rasen mal wieder zu sehr gewachsen war. „Trotzdem hatte ich am Jahresende schon 190 Mitglieder.“ Wie ihm das gelang? Mit seinem Slogan „Golf ist in, teuer ist out“ und unschlagbaren Preisen. Zwar ermöglichte der Zustrom dem Neu-Unternehmer die Anlage Schritt für Schritt auf 36 Bahnen auszubauen und in der Spitze 2000 Mitglieder zu haben. „Aber aus heutiger Sicht war es ein Fehler, den Eindruck zu erwecken, Golf sei günstig, denn das ist es nicht“, sagt er. „Wer die Preisschraube nach unten dreht, kommt nie wieder nach oben.“
Auf dem Rosenhof alle Erfahrungen noch einmal umsetzen
Mit dem Golfpark Rosenhof bekam Andrew Payne letztlich die Möglichkeit, noch einmal alles anders zu machen. „Ich hatte in Miltenberg Langeweile und habe erfahren, dass es in Niedernberg Planungen für einen Golfplatz gibt.“ Bevor es jemand anders macht, habe er sich gedacht, mache er es doch besser selbst. Es war einmal mehr ein mutiger Schritt für den Entscheider Andrew Payne. 2011 schlug er den goldenen Ball auf seinem schottischen Inland-Links-Kurs. 15 Jahre später zieht der Platz – gerade im Winter – Golferinnen und Golfer von weither an. Der sandige Boden erlaubt das Spielen auf Sommergrüns ganzjährig, und der Winterkönig auf dem Rosenhof ist inzwischen die beliebteste Turnierserie der Rhein-Main-Region in der kalten Jahreszeit.

Andrew Payne hat es derweil zurück nach Großbritannien gezogen: Den Großteil des Jahres lebt er im schottischen Turnberry, wo er wieder begonnen hat, mehr Golf zu spielen. Einer der wenigen Topplätze, auf denen er als Amateur nie gewesen ist. „Mein Ziel ist es, in diesem Jahr noch eine Par-Runde zu spielen“, sagt er.
Auf dem Rosenhof führt mittlerweile Paynes Schwiegersohn Norman Lang die Geschäfte und entwickelt die Anlage gezielt weiter, etwa durch autonomes Mähen oder Photovoltaik. „Er ist das Gesicht des Clubs, kann sehr gut mit Menschen“, freut sich Payne. „Für mich ein absoluter Glücksfall.“ Sein Rat an den Schwiegersohn: Nicht immer glauben, was die Leute sagen, sondern sich selbst ein Bild machen. Martin Pyatt fasst es kurz und knapp zusammen: „Andrew duldet keine Idioten.“















