Am ersten Wettkampftag der Mid-Amateur-EM im Quinta do Peru Golf & Country Club pfiff den Spielerinnen und Spielern der Wind kräftig um die Ohren. Dabei liegt der berühmte Golfplatz, rund 30 Minuten südlich von Lissabon, einige Kilometer von der Küste entfernt im Hinterland. Alena Oppenheimer, Geschäftsführerin des Golf-Club Main-Taunus, hatte am Vorabend des Turniers in den sozialen Medien ein Video geteilt, in dem eine Hängelampe auf dem Balkon ihrer portugiesischen Unterkunft kräftig hin und her schaukelte. Motto: Das kann ja was werden! Alena Oppenheimer hielt dem Sturm eindrucksvoll stand und gewann nach Runden von 75, 74 und 73 Schlägen (+6) am Ende hinter der Französin Pauline Stein (Par) die Silbermedaille.
Französin Pauline Stein gewinnt EM mit Even Par
„Am ersten Tag war der Wind die größte Herausforderung, an den beiden anderen die immer härter werdenden Grüns“, berichtet die 33-Jährige. Auf dem brettharten Untergrund hätten die Bälle mitunter abenteuerliche Sätze gemacht. Der Score der Siegerin – Even Par – belegt die anspruchsvollen Bedingungen. Zum Vergleich: Die Einzel-Europameisterschaft 2025 in der offenen Altersklasse gewann die Spanierin Paula Martin Sampedro im Frankfurter Golf Club nach vier Runden mit 23 Schlägen unter Par. „Die Grüns an der falschen Seite zu verfehlen, oder mit dem Ball oberhalb der Fahne zu liegen, hat der Platz von Quinta do Peru hart bestraft“, so Alena Oppenheimer.
Die Hessin konnte die Mid-Amateur-EM im Jahr 2023 bereits einmal gewinnen. Natürlich wollte sie auch diesmal wieder um den Titel kämpfen. „Aber schwungtechnisch habe ich mich zuletzt leider nicht so gut gefühlt, wie ich mich eigentlich kenne“, sagt sie. An den ersten beiden Spieltagen der 1. Deutschen Golf Liga habe sie im Team des Stuttgarter Golfclub Solitude nicht so performt, wie sie es sich gewünscht hätte. In Portugal halfen Oppenheimer nun vor allem ihre spieltaktische Erfahrung und ein gutes Putten. In Runde zwei lochte sie aus zehn Metern Entfernung zum Birdie – eines von allein vier Birdies auf der Back-Nine.
Automatismen und Gelassenheit helfen Alena Oppenheimer
Unabhängig von Oppenheimers hohem Anspruch an sich selbst: Wie es der Geschäftsführerin des Golf-Club Main-Taunus und Inhaberin eines Golf-Modelabels gelingt, noch immer derart konstant und auf hohem Niveau Golf zu spielen, ist beachtlich. „Darüber habe ich ehrlicherweise auch mit meinen Eltern gesprochen, die mich nach Portugal begleitet haben“, erzählt Oppenheimer. Vermutlich sei es neben gewissen Automatismen aus 20 Jahren Golf auch ihre Gelassenheit, auf weniger überragende Schläge oder Double-Bogeys zu reagieren, die ihre Erfolge erklären. Mutter Gabi und Vater Michael Oppenheimer halfen als Forecaddies aktiv mit, dass Alena Oppenheimer die Silbermedaille gewann. Zuhause fieberten die Delkenheimer Vorstandsmitglieder derweil in ihrer WhatsApp-Gruppe mit. Auch Solitude-Trainer Heiko Burkhard meldete sich jeden Tag.
39 Spielerinnen und 104 Spieler im Alter von 25 Jahren und älter starteten bei der diesjährigen Mid-Amateur-EM in Portugal. Bei Oppenheimers Sieg 2023 lag die Altersgrenze noch bei 30 Jahren. „Ich finde es gut, dass die Schwelle abgesenkt wurde, weil das sportliche Niveau dadurch steigt“, erklärt sie. Oppenheimer trat in Portugal – wie schon bei der Team-EM der Mid-Amateure 2025 – übrigens im deutschen Nationaltrikot an. „Der DGV hat Rachel de Heuvel, Annabelle Sapper, Philipp Westermann und mich offiziell zur EM entsendet“, freut sich die Silbermedaillengewinnerin. „Ich war als Jugendliche nie im Nationallteam und genieße es jetzt daher vielleicht umso mehr, in Schwarz-Rot-Gold zu spielen.“
Bei den Herren siegte der Franzose Pierre Tillement im Stechen. Aus der Rhein-Main-Region schafften Tom Barzen (Golf-Club Neuhof/T45) und David Rumpf (Frankfurter Golf Club/52.) in Portugal den Cut.
















