„Officially a professional golfer now“ – das steht ganz oben im Instagram-Account von Theresa de Bochdanovits. Seit Anfang des Jahres ist die Golferin aus Würzburg Pro. In ihre erste Saison gestartet ist die 26-Jährige mit Turnieren auf der Sunshine Ladies Tour in Südafrika. Einen 21. und einen 43. Platz erreichte sie dort, zweimal verpasste sie den Cut. Seit Mai teet de Bochdanovits bei Events der LET-Access Series (LETAS) auf.
de Bochdanovits ist aktuell 37. der LETAS
Dort gilt es, möglichst viele LETAS-Punkte zu sammeln, um am Ende der Saison in der Order of Merit weit oben zu stehen. Bis Rang sieben gibt es direkt eine Karte für die Ladies European Tour (LET) und bis Platz 32 immerhin die Chance, über die Qualifying School den Weg auf die LET zu schaffen. Aktuell wird Theresa de Bochdanovits im LETAS-Ranking auf dem 37. Platz geführt. Bei neun bisher gespielten Turnieren reichte es für sie fünfmal nicht für die finale Runde; ihr bestes Ergebnis war Rang drei beim Event in Schweden. Mit dem Damen-Team des Golf Club Würzburg stieg sie nebenbei im Juli in die 2. Bundesliga auf.
Eine neue Erfahrung für die Würzburgerin war es, als sie jüngst in Dänemark nach Runde eins ganz oben auf dem Leaderboard stand. Die Aufmerksamkeit war ihr sicher; gleich kursierte ein Video von einem langen gelochten Putt auf den offiziellen Kanälen der Tour. So schnell kann es gehen. Im Gespräch mit Mitte Fairway blickt LETAS-Spielerin Theresa de Bochdanovits zurück und nach vorne.
Alles im Soll bisher, oder entsteht bereits Druck?
Theresa de Bochdanovits: Realistisch gesehen sind die Top sieben nicht mein Ziel. Dafür spiele ich aktuell noch zu sehr gegen den Cut. Aber das Turnier in Schweden hat mir ja gezeigt, was möglich ist. Es sind jetzt noch neun Turniere und deshalb mache ich mir nicht allzu viel Stress. Wir sind jede Woche auf einem anderen Platz und das kann so oder so laufen. Natürlich muss ich lernen, genau damit klarzukommen und versuchen, mich jeweils auf die neuen Bedingungen einzustellen. Ich bin aber sicher, je mehr ich spiele, wird das mit der Erfahrung kommen. Außerdem versuche ich, vom großen Ganzen wegzukommen. Sonst besteht die Gefahr, in eine negative Spirale zu rutschen, wenn es nicht so gut läuft. Eher schaue ich Schritt für Schritt nach vorne, weil mir dann ja noch viele Schritte bleiben.

Bisher ging es ja mal vor und mal zurück, zum Beispiel mit einer Top-Platzierung Anfang Juli in Uppsala und dann mit dem verpassten Cut zwei Wochen später in Hertfordshire. Wie arbeitest Du das auf?
de Bochdanovits: Ich spreche anschließend mit meinem Trainer Julien Froidefond und wir versuchen gemeinsam, aus den jeweiligen Situationen Lerneffekte zu erzielen. Was war gut, wo habe ich Stärken und woran muss ich arbeiten? Es gelingt mir selbst aber auch gut, die Dinge zu analysieren. Das schützt mich davor, dass mich Negatives runterzieht. So war es zum Beispiel beim „Pitch15“ Turnier in England. Zwar habe ich dort den Cut um zwei Schläge verpasst. Im Rückblick kann ich aber sagen, dass ich auf der ersten Runde zwei unglückliche Bahnen gehabt habe – die übrigen 34 Löcher waren dafür aber in Ordnung.
Auf der LET-Access Series sind 160 Spielerinnen am Start – alle vermutlich mit ähnlichen Zielen. Wie nimmst Du Deine Konkurrentinnen wahr und wie begegnen sie Dir als Neuling auf der Tour?
de Bochdanovits: Natürlich gibt es einige, die sind komplett in ihrem Tunnel und sehr fokussiert. Im Großen und Ganzen ist das Verhältnis unter den Spielerinnen aber eher entspannt. Und bei jeder Proberunde, jedem Turnier oder beim Training lerne ich auch neue Gesichter kennen. Wenn ich mal etwas wissen muss oder Unterstützung brauche, sind die Mitarbeiter der Tour eine große Hilfe. Ein Vorteil ist auch, dass ich seit einiger Zeit viel mit Hanna Tauber auf der Tour unterwegs bin. Wir haben uns bei einem Turnier kennengelernt und auf Anhieb gut verstanden. Außerdem sparen wir so auch Reisekosten. Hanna ist ja schon ein Jahr bei den LETAS-Turnieren dabei und kennt sich daher recht gut aus.
Ein gutes halbes Jahr Profi – was hat Dich in dieser Zeit am meisten überrascht?
de Bochdanovits: Dass ich kein großes Problem damit habe, so viel unterwegs zu sein. Ich war mir vorher nicht sicher, ob das psychisch nicht sehr anstrengend sein könnte. Es ist aber eher das Gegenteil der Fall: Ich finde es sehr cool, zum Beispiel vier Wochen am Stück auf Achse zu sein. Und das kommt auch meinem Typ entgegen.
Dann hattest Du ja womöglich keine Schwierigkeiten damit, beim letzten DGL-Spieltag in der Regionalliga mit dem Golf Club Würzburg den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt zu machen und eine Woche später ein Profi-Turnier zu spielen. Wie anstrengend ist eine solche Doppelbelastung?
de Bochdanovits: Ehrlich gesagt hatte ich noch nicht wirklich Zeit, alles zu verarbeiten. Es war emotional sehr anstrengend, erst für das Team zu spielen und kurz darauf den Fokus neu zu setzen für die Tour. Vielleicht habe ich demnächst Gelegenheit, unseren Aufstieg zu begreifen. Eine Belastung ist es natürlich schon insofern, weil auch die DGL-Spieltage körperlich sehr anstrengend sind. Dafür kann ich aber im Kopf entspannter sein, weil wir als Mannschaft unterwegs sind und als Team spielen. Ich habe mich auch sehr darüber gefreut, am Anfang der Saison bei zwei DGL-Spieltagen dabei sein zu können, denn die Profi-Saison war ja noch nicht so richtig angelaufen und es passte in meinen Turnierkalender. Ob das kommendes Jahr auch so sein wird, muss ich abwarten. Falls es passt, spiele ich auf jeden Fall für Würzburg in der 2. Bundesliga.
Dein Blick geht also bereits nach vorne. Da stellt sich natürlich auch die Frage, wie Du Deine Zukunft als Profi einschätzt – auch wirtschaftlich?
de Bochdanovits: Der Druck ist da, aber den mache ich mir selbst, denn ich will ja immer möglichst gut spielen. Wirtschaftlich sieht es aktuell ganz gut aus, weil ich einige Sponsoren habe und mir zumindest für diese Saison keine Sorgen machen muss. Sportlich muss ich einfach sehen, was geht. Es ist ja bisher von Woche zu Woche unterschiedlich. Damit muss ich lernen umzugehen. Deshalb versuche ich mich immer daran zu erinnern, dass es ja meine erste Saison überhaupt ist; dass ich meine Erwartungen nicht zu hoch ansetze und sie dann womöglich nicht erfüllen kann. Wichtig ist mir besonders, als Pro den Spaß am Golfen zu behalten und dabei hilft es, geduldig zu sein.
















