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Suat Ergen: Der Wettkämpfer

Er spielt mehr Turnierrunden als Scottie Scheffler und Rory McIlroy: Suat Ergen aus Idstein ist fast immer im Wettkampfmodus. Seiner Bestmarke könnte er selbst noch gefährlich werden.

Suat Ergen vom Golfpark Idstein
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129 Golfturniere in einem Jahr: Diesen persönlichen Rekord hat Suat Ergen vor drei Jahren aufgestellt. Gut möglich, dass der 68-Jährige vom Golfpark Idstein die Bestmarke in Zukunft noch übertreffen wird. „Ich überlege, meine Firma zu verkaufen, dann ergeben sich noch mehr Spielräume“, erzählt Ergen zwischen Kurzspieltraining und einer Privatrunde mit zwei Freunden. Ob ihm schon einmal jemand begegnet sei, der mehr Turnierrunden spielt als er? „Es gab mal einen noch Verrückteren aus dem Golf-Club Main-Taunus, aber der ist, soweit ich weiß, nicht mehr aktiv“, berichtet er. Vermutlich hat die Konkurrenz auch nie so gut Golf gespielt wie der Idsteiner Dauerbrenner. „Suat ist ein Aushängeschild für unseren Club und für den Golfsport“, sagt Jens Radünz voller Anerkennung über seinen Golfkumpel.

Karate verdankt er seine Körperbeherrschung

Suat Ergen ist der Typ Tausendsassa. Er hat in seinem Leben schon fast alles gemacht. Von einfachsten Arbeiten, damals, als er 1973 nach Deutschland kam, bis hin zum vielseitigen Unternehmer. Er war Gastronom, hatte einen Supermarkt und ist inzwischen Chef einer Gebäudereinigungsfirma mit rund 200 Mitarbeitern. Er war immer fleißig, so wie man es sein muss, wenn man es alleine in der Ferne zu etwas bringen möchte. Fleißig war er auch, wenn es um seinen Körper geht. „Ich habe immer Sport gemacht. Immer!“, betont er nochmal. Tennis, Squash, Fitness und Karate. In der japanischen Kampfsportart hat er es bis zum mehrfachen Hessenmeister gebracht. „Das kommt mir heute noch sehr zugute“, meint Ergen, „denn dadurch habe ich eine überdurchschnittliche Körperbeherrschung“.

Zum Golf kam er über eine Mitarbeiterin seiner Firma. Diese habe ihn zu einem Schnuppertraining im Golfpark Idstein gedrängt. „Golf? Habe ich sie gefragt, das ist doch nur was für alte Leute!“, erinnert sich Suat Ergen, als er damals, mit 60, eher widerwillig dem Drängen nachgab. „Heute lachen wir gemeinsam darüber und ich bin eher sauer auf sie, dass sie mich nicht früher gefragt hat.“ Denn infiziert war er nach einer halben Stunde. Weil er sofort Erfolgserlebnisse hatte. Während alle anderen im Schnupperkurs mühsam versuchten, den Ball zu treffen, flogen sie bei ihm sofort. Körperbeherrschung sei Dank. Noch im selben Jahr ging er mit dem damaligen Idsteiner Golflehrer Andreas Fröhlich auf die erste Golfreise.

Nach sieben Jahren hatte Suat Ergen Handicap 3,2

Das war vor acht Jahren. Nur sieben Jahre hat er gebraucht für ein Handicap von 3,2. Allein das ist schon rekordverdächtig. Mit 60 zum ersten Mal einen Schläger in der Hand, ein paar Jahre später die Stütze seiner Mannschaften im Golfpark Idstein. Dort spielt er AK 50, AK 65, DGL, Hessenliga und ab und zu RMKL. In der AK 65 war er mehrfach Clubmeister. „Trainerstunden hatte ich vielleicht zwei oder drei. Im Grunde habe ich mir alles selber beigebracht“, sagt der heute 68-Jährige mit dem Körper eines 40-Jährigen.

Zum Talent kommt allerdings auch enormer Fleiß. Es vergeht so gut wie kein Tag, an dem er nicht die Schläger schwingt. Den 129 Turnieren von 2023 kam er zuletzt immerhin nahe. 120 spielte er im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Tourpros wie Scottie Scheffler oder Rory McIlroy kommen in einer Saison auf etwa 80 Turnierrunden. „Alles vorgabewirksam“, betont Ergen. „Scramble oder Vierer zähle ich da nicht mit.“ Und wenn er mal keine Turniere spielt, steht er auf der Range. „Da schlage ich meistens um die 300 Bälle und mehr und anschließend gehe ich noch eine Stunde Putten.“

Einmal im Jahr: Sechs Tage mit 36 Loch – zu Fuß

Einmal im Jahr reist er zudem mit seinen Freunden für eine Woche nach Spanien. Dort, in der Gegend von Novo Sancti Petri, spielen sie täglich zweimal 18 Loch. „Aber ihr seid mit Carts unterwegs?”, vergewissern wir uns. Leicht entrüstet macht Suat Ergen klar, dass jeder in der Gruppe zu Fuß gehe. 36 Bahnen, sechs Tage am Stück. Ansonsten spiele er gerne in Kitzbühel, Hamburg, Amsterdam, Portugal, Mallorca, den Azoren und natürlich ab und an in der Türkei.

In der näheren Umgebung gehört nach seinem Heimatclub in Idstein der Golfpark Rosenhof zu seinen Lieblingsanlagen. Da spielt er im Winter regelmäßig den „Winterkönig“, zuverlässig auf Sommergrüns, jeden Samstag ein vorgabewirksames Turnier.

Bei so viel Golf ist der Materialverschleiß natürlich erheblich. In den wenigen Jahren, in denen er Golf spielt, greift er aktuell bereits zu seinem fünften Schlägersatz. Genau wie sein Outfit ist auch das Besteck vom Feinsten. „Alleine meine Schäfte kosten mehr als ein herkömmlicher Eisensatz“, erzählt Suat Ergen und schmunzelt. Wenn er was macht, dann richtig. Und dass er das kann, hat er seiner Tochter zu verdanken. Noch hält er zwar die Fäden seines Unternehmens in der Hand, pflegt die Geschäftskontakte. Das operative Geschäft hat jedoch die Tochter übernommen, die ihm den Rücken freihält.

Im zurückliegenden Winter konnte er seine Tochter allerdings unfreiwillig entlasten. Immer wieder zu viel Schnee haben den Clubs zu schaffen gemacht – und dem Turniereifer von Suat Ergen. Selbst der Golfpark Rosenhof blieb so oft wie nie zuvor geschlossen. Bis Ende März hat Ergen in gewöhnlichen Jahren schon 15 Turniere hinter sich. Diesmal waren es nur zwei. Es wird schwer, bis Jahresende auf 120 Turniere zu kommen, das weiß der Idsteiner. Er macht es einfach wie immer: Er gibt sein Bestes. Am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der kommenden Woche stehen bei ihm schon Golfturniere im Kalender.

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