Die Herren des Frankfurter Golf Club liegen vor dem kommenden Heimspieltag auf Kurs Richtung „Final Four“. Doch am Ziel sind sie noch lange nicht. Denn die 1. Bundesliga (Gruppe Süd) ist ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Durch den Heimsieg des starken Aufsteigers Golf Club Am Habsberg sowie den enttäuschenden vierten Rang des Ausnahmeteams Golf Club St. Leon-Rot haben nach drei von fünf Spieltagen noch vier der fünf Teams eine reelle Chance, dabei zu sein, wenn am 1. und 2. August im Golfclub München-Riedhof die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft ausgespielt wird. Der haushohe Favorit St. Leon-Rot führt mit zwölf Punkten noch, aber nur einen Zähler vor den Frankfurtern, die wiederum einen Punkt vor Habsberg und drei vor München liegen.
Aufsteiger Habsberg gewinnt zuhause
St. Leon-Rot trat zwar ohne drei Stammspieler an, die bei Turnieren unterwegs waren. Der Tabellenführer war aber mit einem Team vertreten, das um den Tagessieg hätte kämpfen sollen. „Es war lange Zeit sehr eng, am Ende waren wir einfach nicht gut genug. Natürlich ist das bitter und macht nicht so viel Spaß. Trotzdem Glückwunsch an Habsberg zum Heimsieg“, resümiert SLR-Trainer Marco Müntnich.
Das Team aus dem Osten von Bayern hatte allen Grund zum Feiern: Die Habsberger führten von Anfang an, hatten am Ende mit acht unter Par fünf Schläge Vorsprung auf Frankfurt. „Wir haben das enttäuschende Abschneiden in Augsburg analysiert und in der Woche vor dem Spieltag hart gearbeitet. Am Ende kamen wir mit unserem Platz und dem doch recht strammen Wind am besten zurecht“, sagte Sven Czyperreck, Vizepräsident und Sportwart des siegreichen Teams.
Böiger Wind machte das Spiel anspruchsvoll
Der böige Wind war in der Oberpfalz schon ein gravierendes Thema. „Manchmal war es ein richtiger Sturm, es wehte mit einer Geschwindigkeit von bis zu 54 Stundenkilometern“, so FGC-Trainer Jan Pelz. Sven Czyperreck fand eine originelle Antwort. „Die Golfer in Schottland sagen: Wind hat‘s erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben. Für deutsche Verhältnisse waren es anspruchsvolle Bedingungen, für Profis aus Groß-Britannien Standard. Es ist doch recht tough – aber das gilt für alle!“
Wie gut man mit diesen Verhältnissen zurecht kommen konnte, demonstrierten vor allem zwei Golfer, die auf dem Platz, auf dem vor ziemlich genau 20 Jahren ein gewisser Martin Kaymer eine 59 auf der Pro Golf Tour geschossen hatte, am Sonntag jeweils eine 66er Runde (-6) spielten. Dem Deutschen Meister von 2024 Marian Ludwig (Habsberg) gelang dies sogar an seinem 34. Geburtstag. Eine ebenso gute Runde spielte der Frankfurter Tim Opderbeck. „Es war überragend. Er hat die 18 Löcher bogeyfrei absolviert, sehr konstant gespielt, gut abgeschlagen und war auch auf den Grüns stark. Hätte er zwei mögliche kurze Putts auch noch versenkt, wäre es sogar eine 64 gewesen“, lobte Jan Pelz seinen Spieler.
Jan Pelz: „Unser Ziel für diesen Spieltag voll erfüllt“
Außer über Platz zwei freute sich der Trainer auch über die geschlossene Teamleistung. „Wir haben unser Ziel für diesen Spieltag voll erfüllt und stehen vor unserem Heimspieltag in zwei Wochen genau da, wo wir sein wollen. Unsere schlechteste Runde am Sonntag war eine +2, die für unseren Debütanten Lukas Lange eine sehr starke Leistung war. In Habsberg kamen zum ersten Mal alle mitgereisten elf Spieler zum Einsatz, keiner hat eine richtig schwache Runde abgeliefert. Das spricht für die Tiefe unseres Kaders.“

Nicht unerwähnt ließ der Coach, dass Ben Bradley, der zwei Par-Runden absolvierte, am Samstag im Einzel zwei Eagle produzierte: „Die Par-5-Löcher 8 und 18 sind ähnlich der 15 und 17 bei uns für Birdies nahezu prädestiniert. Dass Ben beide Eagle spielte ist aber schon eine Seltenheit, die Anerkennung verdient.“
Bei den Frauen scheinen alle Entscheidungen gefallen
Während bei den Männern noch alles offen ist, scheinen bei den Frauen in der Südgruppe der 1. Bundesliga alle Entscheidungen bereits gefallen zu sein. Dass der Golf Club St. Leon-Rot sowie der nun daheim siegreiche Stuttgarter Golfclub Solitude das „Final Four“ erreichen werden, daran zweifelt niemand mehr. Und auch der Abstieg des mit Ausnahme ihres Heimspieltages stets abgeschlagenen Neulings aus Fürth dürfte kaum noch abwendbar sein. Allerdings dürfen sich die Frankfurterinnen am nächsten Spieltag auf eigenem Platz nicht zu sehr unter Druck setzen. Sollte Fürth vor ihnen landen, könnte es noch einmal eng werden.

In Stuttgart sah nach dem ersten Tag noch alles nach einem Dreikampf um Platz zwei aus. Hinter den souverän führenden Stuttgarterinnen lagen St. Leon-Rot (+23), München (+26) und Frankfurt (+27) eng beisammen. Die Einzel am Sonntag trennten aber die Spreu vom Weizen. Am Ende siegte Stuttgart mit – bei den windigen Verhältnissen – guten 24 Schlägen über Par vor St. Leon-Rot (+37). „Den Tagessieg haben sich meine Spielerinnen verdient und er ist ein wichtiger Schritt in Richtung Final Four“, so Stuttgarts Frauen-Trainer Heiko Burkhard.
Erfahrene FGC-Spielerinnen erwischen schwachen Sonntag
Auf Platz drei folgte der Münchener GC (+43) vor Frankfurt (+59) und dem 1. GC Fürth (+79). Die überragende Spielerin am Wochenende war SLR-Tourspielerin Celina Sattelkau, die an beiden Tagen mit 68 Schlägen (-4) die beste Einzel-Runde des Tages spielte. „Ich reise von hier direkt weiter zur Ladies European Tour nach Holland, unterstütze die Mädels und das Team aber gerne und trainiere ein bisschen. Es macht einfach Spaß, in der DGL dabei zu sein, in der ich vor neun Jahren mit 15 zum ersten Mal dabei war. Die Liga ist sehr gut und wichtig für die Förderung des Golfsports in Deutschland“, sagte die Team-Europameisterin von 2024, die danach ins Profi-Lager wechselte.
Die besten Leistungen im Frankfurter Team lieferten Emily Böhrer sowie Lea Ludwig ab. Böhrer benötigte auf dem anspruchsvollen Kurs am Samstag 75 Schläge (+3). Einen Tag später spielte sie mit 73 Schlägen (+1) die beste Frankfurter Runde (73/+1). Ludwig spielte am Samstag +2, am Sonntag +3. Dass am zweiten Tag der Anschluss an den Deutschen Meister St. Leon-Rot sowie München nicht gehalten werden konnte, lag ausgerechnet an der schwachen Tagesform der erfahrenen Spielerinnen. Katharina Hesse benötigte 78 Schläge; Emelie Edinger (+10) und Helen Kreuzer (+11) lieferten gar die Streichergebnisse.
















