Ein brisanter Fall beschäftigt die Deutsche Golf Liga (DGL) kurz vor dem fünften und letzten Saisonspieltag. Der Frankfurter Golf Club, mit seinem Herren-Team aktuell Tabellenzweiter der Südgruppe, prangert den Einsatz von Carl Siemens als Amateur beim Spitzenreiter Golf Club St. Leon-Rot an. Ist der Ex-Professional tatsächlich zu Unrecht zum Einsatz gekommen, könnte St. Leon-Rot durch nachträgliche Disqualifikation Punkte verlieren und in der Tabelle abrutschen. Frankfurt hätte bessere Chancen, das Final Four um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft zu erreichen.
Die ersten beiden Spieltage noch als Pro
Bis Februar war Carl Siemens noch als Professional auf der Pro Golf Tour aktiv. Dann stellte er beim Deutschen Golf Verband (DGV) einen Antrag auf Reamateurisierung. Diesem Antrag wurde mit Wirkung zum 1. Juni stattgegeben. An den ersten beiden DGL-Spieltagen Mitte und Ende Mai kam Siemens für St. Leon-Rot also zunächst noch als Professional zum Einsatz. Laut Ligastatut darf pro Team ein Pro mitwirken. Am vierten Spieltag traten die Kurpfälzer im Frankfurter Golf Club dann aber mit Professional Jan Schneider und dem reamateurisierten Carl Siemens an. Nach Auffassung des Frankfurter Golf Clubs ist Siemens als Amateur in der DGL jedoch nicht spielberechtigt.
Im DGL-Ligastatut (6.1.) heißt es: „Ein Spieler muss seit dem 01.01. des betreffenden Kalenderjahres die Amateureigenschaft besitzen…“ Dieses Kriterium erfüllt Carl Siemens nicht. In einem mehrseitigen Schreiben monierte der Frankfurter Golf Club kürzlich beim DGV den mutmaßlichen Verstoß des Golf Club St. Leon-Rot gegen die Statuten. Dabei verwies der FGC auch auf seine frühere Spielerin Katharina-Johanna Keilich, der im vergangenen Jahr in einem vergleichbaren Fall nach Reamateurisierung ein Einsatz in der DGL versagt wurde.
Laut DGV ist Carl Siemens als Amateur in der DGL spielberechtigt
Erfolg hatte der Frankfurter Golf Club mit seinem Ansinnen bisher allerdings nicht. Laut Informationen von Mitte Fairway antwortete der DGV den Frankfurtern nach eingehender juristischer Prüfung, dass Carl Siemens in der DGL als Amateur spielberechtigt sei und eine nachträgliche Disqualifikation der St. Leon-Roter Herren für den vierten Spieltag entsprechend ausscheide. Mit 21 Schlägen Vorsprung hatte das Team in Frankfurt gewonnen und fünf Tabellenpunkte gesammelt. Wegen starker Hitze fielen dabei die klassischen Vierer aus. In seinen beiden Einzeln blieb Leistungsträger Siemens – wie meist in dieser Saison – jeweils unter Par (66/-5 und 69/-2).
Der Frankfurter Golf Club, in der Tabelle drei Punkte hinter St. Leon-Rot sowie punktgleich mit Habsberg, hat nach Informationen von Mitte Fairway nun zusätzlich den Kontroll- und Schlichtungsausschuss des DGV angerufen. Der FGC wittert in der Sache offenbar auch einen Interessenkonflikt aufseiten des Verbands. Als Amateur habe Carl Siemens demnach nicht nur dem Golf Club St. Leon-Rot in der DGL geholfen, sondern auch dem deutschen Nationalteam. Rund sechs Wochen nach seiner Reamateurisierung zählte der 22-Jährige bei der Team-EM in Italien zum deutschen Aufgebot. Diese Praxis könnte nun nachträglich auch international noch für Wirbel sorgen.
Ungewöhnlich kurze „Cool-Down-Phase“
Öffentlich möchte die sportliche Leitung des Frankfurter Golf Club zum laufenden Fall keine Stellung nehmen. Unverständnis besteht offenbar vor allem über die ungewöhnlich kurze „Cool-Down-Phase“, die laut den Golfregularien zwingend zwischen dem letzten Turnier als Pro und dem ersten Einsatz als Amateur stehen soll. Sechs Monate gelten dabei gemeinhin als Mindestmaß – zum Schutz des Amateursports.
Der Golf Club St. Leon-Rot sieht sich in diesem Fall nicht als Konfliktpartei, sondern verweist auf den DGV. Dieser habe dem Club nach der Meldung der DGL-Kader grünes Licht gegeben und die Rechtmäßigkeit nun in seiner Antwort an den Frankfurter Golf Club sogar noch einmal bestätigt. Gegenüber Mitte Fairway antwortet der DGV: „Der Vorstand des Deutschen Golf Verbandes hat im Rahmen seiner Zuständigkeit einen Antrag des Frankfurter Golf Club betreffend den Einsatz eines Spielers im Rahmen der diesjährigen DGL beraten und Beschluss gefasst und einen den Antrag abweisenden Beschluss gefasst. Nach Überzeugung des Vorstands bestand/besteht eine Teilnahmeberechtigung des betroffenen Spielers des Golf Club St. Leon-Rot.“
Begründung des DGV liegt im Unklaren
Worauf der Verband seine für viele überraschende Auslegung der eigentlich eindeutigen Statuten stützt, ist derweil nicht zu erfahren. Ein Interesse an der baldigen Klärung dürften neben Frankfurt auch alle übrigens Clubs der Deutschen Golf Liga haben, um einen fairen Wettbewerb sicherzustellen.
Das Herren-Team des Golf Club St. Leon-Rot rechnet indes fest damit, am 1. und 2. August 2026 im Golfclub München-Riedhof beim Final Four um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft zu spielen. „Wir konzentrieren uns auf den Sport“, heißt es aus St. Leon-Rot. Am fünften und letzten DGL-Spieltag im Münchener Golfclub wird der Club laut Meldeliste gleichwohl auf Carl Siemens verzichten. Nicht aus politischen Gründen, so ist zu vernehmen, sondern zur Belastungssteuerung vor dem großen Saisonfinale.
Sollte der Streit zwischen Frankfurter Golf Club und DGV nicht bis spätestens zum letzten Putt des fünften Spieltags an diesem Sonntagnachmittag final geklärt sein, herrscht Unklarheit darüber, welche zwei Teams aus der Südstaffel tatsächlich ins Final Four einziehen werden. Der DGL wäre damit eindeutig Schaden zugefügt.
















