Es gibt wohl keinen Golfplatz in der Rhein-Main-Region, der sich besser für einen Scramble eignet als die 18 Löcher des Mainzer Golfclubs. Die spektakulären Bahnen durch einen früheren Steinbruch und über eine einstige Deponie verlangen höchste Präzision – gerade wenn man Birdies oder sogar Eagles spielen möchte. Genau das war das Ziel der Mainzer Herren-Mannschaft, die am Sonntagvormittag bei einem „Break 50“-Scramble den Versuch wagte, ihren Heimatplatz mit 23 Schlägen unter Par zu spielen. Ein aberwitziger Score, wenn man bedenkt, dass der Platzrekord in Mainz-Budenheim von den gelben Abschlägen bei 67 (-5 bei Par 72) liegt.
Rückschlag an der atemberaubenden vierten Bahn
Machbar erschien es Coach Christian Bräunig und seinem Team, weil sie das Abenteuer zu zwölft angingen, also beinahe in voller Mannschaftsstärke. Begleitet und angefeuert von rund 30 Clubmitgliedern ging das Regionalliga-Team am Vormittag auf die Runde und startete gleich voll nach Plan: mit drei Birdies auf den ersten drei Bahnen. An Loch 4 jedoch der erste Rückschlag: Das atemberaubende Par 4 ist mit seinen 287 Metern recht kurz und da es steil bergab geht, ist das Grün für alle Mannschaftsspieler eigentlich mit dem Abschlag zu erreichen. Dass dann einer von zwölf Putts fallen würde, war vorab eingepreist. „Wir haben auf dieser Bahn ein Eagle eingeplant, mehr noch als auf dem dann folgenden Par 5“, erklärt Christian Bräunig. Allein daraus wurde nichts, genauer gesagt nur ein Birdie.
Mit anschließendem Eagle, Birdie, Eagle, Birdie und Birdie ließen die Mainzer auf den ersten neun Löchern allerdings keine weiteren Schläge liegen. Elf Schläge unter Par zur Halbzeit waren die halbe Miete auf dem Weg zur -23, weil die Front-Nine Par 35 und die Back-Nine Par 37 sind. „Das Tolle an diesem Format ist, dass jeder etwas beitragen kann und damit seine Momente hat“, betont Christian Bräunig. Das stärke den Zusammenhalt im Team. Freuen konnten sich die Spieler und Zuschauer auch über Unterstützung von Rallo Feinkost, das die Getränkeversorgung auf der Runde übernahm.
Acht Grad, böiger Wind und feuchter Boden
Knappe acht Grad, der mitunter böige Wind und der feuchte Boden hinderten die Golfer um den amtierenden Landesmeister Maximin Friederich nicht daran, auch auf den zweiten Neun jedes weitere Loch unter Par zu spielen. „Nach dem Eagle auf Bahn 11 hatten wir das Gefühl, wieder voll auf Kurs zu sein“, sagt Christian Bräunig. Knifflig wurde die 16. Bahn, ein 544 Meter langes Par 5. Den rund acht Meter langen Putt zum Eagle hatten bereits zehn Spieler verpasst, bis HotelPlanner-Tour-Spieler Bräunig ihn versenkte – sehr zur Erleichterung seiner Mitspieler.

Aber um die 50-Schläge-Grenze zu knacken, brauchte es auf den letzten beiden Par-4-Löchern mindestens ein Eagle. Die Mainzer hatten dabei eher an ihre 18. Bahn gedacht, 251 Meter kurz. Der Coup gelang dann aber bereits auf der 303 Meter langen 17: Ben Binger lochte aus knapp zwölf Metern Entfernung vom Vorgrün aus mit dem Putter ein. „An der 18 haben wir uns dann noch einmal überraschend schwergetan und mussten den Ball sogar vorlegen, weil es nicht geklappt hat, das Grün anzugreifen“, berichtet Christian Bräunig. Ein präziser Wedgeschlag von Alexander Samson an die Fahne ermöglichte dann das finale Birdie zur astronomischen 49.
Inspiration für Break 50 kam aus der Nachbarschaft

Für das Mainzer Herren-Team war der spektakuläre Scramble eine Möglichkeit, sich und sein Können den Mitgliedern des Clubs zu präsentieren. „Wir möchten gerne, dass Clubleben und Mannschaftsleben nicht aneinander vorbeigehen“, sagt Christian Bräunig. Er verhehlt nicht, dass eine ähnliche Aktion im nahen Golf-Club Main-Taunus ihm Inspiration lieferte.
Sportlich will der Mainzer Coach mit seinem Team in der kommenden DGL-Saison in der Regionalliga vorne mitspielen. „Wir haben Spieler, mit denen das grundsätzlich möglich ist“, so Bräunig. Allerdings werden die Mainzer gegen die jeweils zweiten Mannschaften des Golf-Club St. Leon-Rot und des Frankfurter Golf Club spielen, die immer mal von einer Verstärkung aus ihrer Erstvertretung profitieren können. Hinzu kommen das abgestiegene Team vom Golf Club Würzburg und der Golfclub Rheintal.
Christian Bräunig selbst wird nach den DGL-Statuten erst ab 2028 für das Mainzer Team spielen können. Er werde weiterhin ausgewählte Turniere auf der Tour spielen, sagt er, und berufsbegleitend seine Ausbildung zum Fully Qualified PGA Professional bei Landestrainer Dennis Küpper fortsetzen.
Wer den Mainzern bei ihrem „Break 50“-Scramble am Sonntag fehlte, ist College-Spieler Marco Wöhler. Der Leistungsträger machte in dieser Woche ganz allein auf sich aufmerksam: Auf dem Heimatplatz seines Reedley College in Kalifornien spielte der Bad Kreuznacher im Turnier eine 62er-Runde (-10). Es war das beste Ergebnis, das je ein Athlet seines Junior-Colleges erzielt hat. Christian Bräunig mutmaßt: „Es könnte sein, dass wir mit Marco heute eine 48 gespielt hätten.“

















