Auf der 18. und letzten Bahn hat sich Maxime Goupy ein nasses Handtuch um den Hals und die Schultern gelegt. Nicht nur, um den Körper abzukühlen, sondern auch seine Nerven. An Tag eins der VcG Neuhof Open ist der Franzose das Maß der Dinge. Aber nach zwischenzeitlich sieben Schlägen unter Par unterlaufen Goupy dann hinten raus doch noch zwei kleine Fehler. Der Ärger über die Bogeys auf 16 und 17 ist ihm deutlich anzusehen, als er seinen Drive die letzte Bahn hinunter drischt. Das kühlende Handtuch gegen die 34 Grad im Schatten liefert dann sicherlich auch einen kleinen Beitrag zum vier Meter langen Putt, den er zum Birdie und versöhnlichen Abschluss (66/-6) locht. „Der Platz sieht einfach aus, ist es aber überhaupt nicht, weil er maximale Präzision erfordert“, sagt Goupy.
Drei Verfolger liegen bei 5 unter Par
30 der 142 Spieler, die noch im Wettbewerb sind, meisterten den Parklandplatz des Golf-Club Neuhof am Dienstag unter Par. Einen Schlag hinter Maxime Goupy liegen dessen Landsmann Louis Bonte sowie Nicolas Horder und Philipp Macionga (jeweils 67 Schläge/-5). Der Augsburger Macionga ging in der prallen Mittagshitze auf die Runde und lieferte das beste Ergebnis aller Spieler ab, die am Nachmittag ran mussten. Am zweiten Tag der VcG Neuhof Open wechseln die Startzeiten: Wer am ersten Tag morgens begonnen hat, startet am zweiten Tag nachmittags und umgekehrt.
Aus der Rhein-Main-Region spielten Neuhofs Janne Finn Müller und Lukas Lange, Neuzugang des Frankfurter Golf Club, die besten Runden: Mit 69 Schlägen (-3) liegen beide auf dem geteilten elften Rang. Dem amtierenden baden-württembergischen Meister Lukas Lange gelang mit einem seiner Schläge Besonderes: Aus 148 Metern Entfernung und mit einem 8er-Eisen traf Lange auf Bahn 1 (Par 4) direkt ins Loch – zum Eagle. „Ich habe heute so gut wie alles gelocht, was möglich war“, freute sich Amateur Lange über seinen Auftakt. Die hohen Temperaturen konnten seinem Spiel offenbar nicht viel anhaben. „Ich habe in Alabama College-Golf gespielt, da ist es mindestens genauso heiß und wegen der Sumpflandschaften noch deutlich drückender“, so Lange.
Max Schmitt trifft 16 Grüns, locht aber kaum einen Birdieputt
Sein Clubkamerad Janis Erll – zuletzt für Frankfurt in der DGL sehr formstark – fand dagegen gar nicht zu seinem Spiel. Mit 84 Schlägen (+12) dürfte er sich schon die Chance auf den Cut genommen haben. „Vom Tee aus habe ich keine großen Fehler gemacht, dafür aber mit den Eisenschlägen ins Grün“, so Erll. Max Schmitt, früher auf der DP World Tour aktiv, traf dagegen 16 von 18 Grüns – lochte aber nur drei seiner vielen Birdie-Putts. Über seine Par-Runde (72) zeigt sich der einstige Spieler des Golfclub Rheinhessen entsprechend ernüchtert: „Dieser Platz fördert nicht mein bestes Spiel hervor.“

Mit dem gleichen Score, aber deutlich zufriedener, kamen Martin Keskari und Tim Nachtwey vom Golf-Club Neuhof ins Clubhaus. „Ich kann meine Teilnahme sehr genießen“, sagt Schüler Nachtwey. Druck spüre er lediglich von sich selbst. Das schärfe allerdings seinen Fokus, bei diesem besonderen Turnier. „Die Ernsthaftigkeit ist hier, wo für fast alle Golf ein Beruf ist, schon deutlich zu spüren“, so Nachtwey.

Neuhofs Damen-Trainer Keskari konnte in seiner Zeit als Tourspieler viermal auf der Pro Golf Tour gewinnen – dreimal sogar in einem Jahr: 2015. Beim Heimspiel in Neuhof zeigte er, dass er trotz seines Wechsels in den Trainerberuf noch immer mithalten kann. „Ich habe zuletzt bei den PGA Pro Days gespielt und für die AK30, so dass sich der Turnierrost zum Glück etwas abgelöst hat“, sagt der Jugendtrainer des Jahres 2025.
Max Röhrig mit Rettungstat aus den Brennnesseln
Sein Trainerkollege Max Röhrig erlebte einen deutlich stressigeren Tag auf dem vertrauten Heimatplatz. 77 Schläge (+5) passten dem Co-Bundestrainer gar nicht. Aber die Erklärung dafür liegt auf der Hand. Mit dem Golf Team Germany war er jüngst in Südspanien und dann in Nordengland. „Ich habe drei Wochen selbst kein Golf gespielt und habe heute einfach sehr viele schlechte Schläge gemacht“, so Röhrig. Um sich aus einer schmerzlichen Lage zu befreien, stieg er auf Bahn 18 in seiner kurzen Hose tief in die Brennnesseln.

Neuhofs Nachwuchstalent Nikola Durdov steht auf dem Leaderboard (76/+4) vorerst über seinem Trainer. Teamkollege Moritz Küls (82/+10) konnte nach seinem guten Abschneiden bei der VcG Bodensee Open den Heimvorteil nicht nutzen. Sie alle spielen am Mittwoch die zweite Runde der mit 40.000 Euro Preisgeld dotierten VcG Neuhof Open. Gestartet wird erneut ab 7 Uhr von Tee 1 und Tee 10. Nach Runde zwei gibt es einen Cut. Um den Sieg spielen dann am Donnerstag – bei weiter steigenden Temperaturen – die 40 Besten und Geteilte auf dem Leaderboard.
„Ich freue mich sehr, dass dieses Turnier auf einem hessischen Golfplatz stattfindet und dass der Golf-Club Neuhof sich dafür beworben hat und ausgewählt wurde“, sagte Christofer Hattemer. Der Präsident des Hessischen Golfverbands war den ganzen Tag über auf der Anlage unterwegs und fieberte insbesondere mit den hessischen Golfern mit. Zuschauer sind bei der VcG Neuhof Open herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.
















