Für Jonas Rother geht es im Golf gerade immer weiter aufwärts. Jüngst sammelte das Eigengewächs des Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne bei der Team-Europameisterschaft der Golfer mit Behinderung im italienischen Golf Club Genova Sant’Anna seine ersten internationalen Erfahrungen im Nationaltrikot. Zwar belegte Deutschland bei der von England gewonnenen EM nur den siebten Platz unter neun teilnehmenden Nationen. Der 19-Jährige überzeugte allerdings als bester Spieler im DGV-Team.
Großen Anteil an Hofheimer Klassenverbleib in der DGL
In seinem Heimatclub Hof Hausen vor der Sonne ist das Eigengewächs in den vergangenen Jahren kontinuierlich von der Jugend zu einem der Schlüsselspieler der DGL-Mannschaft aufgestiegen. Mit einem Score von -3 hatte der Rother beim diesjährigen Heimspieltag maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team in der Regionalliga Mitte den angestrebten Klassenverbleib bereits vor dem letzten Spieltag sicher hatte.
Jonas Rother, der ein angeborenes Handicap an der linken Hand hat, wurde vor einem Jahr gefragt, ob er nicht als Mitglied des Team Germany an der Team-EM der Golfer mit Behinderung teilnehmen möchte. „Ich habe zugesagt und wurde sofort herzlich aufgenommen. Es ist toll, dass es Behindertengolf gibt und dass Menschen mit Beeinträchtigung statt sich über ihr Schicksal zu grämen Leistungssport treiben“, sagt er. „Beeindruckt hat mich die Atmosphäre. Die Golfer verstehen sich allgemein immer, aber hier ist es eine richtige Gemeinschaft. Jeder hat sich riesig über die gelungenen Schläge der anderen gefreut.“
Ausflug zur Abifeier am Vorabend der IAM-Finalrunde

Die EM-Nominierung verdiente sich Jonas Rother im Juni bei den German International Men’s and Women’s Disabled Championships im Golfclub Mannheim-Viernheim. Dort sicherte sich der in Schwalbach lebende Rother gleich zwei bedeutende Titel. Mit einer herausragenden Leistung gewann er sowohl die Deutschen Meisterschaften der Golfer mit Behinderung als auch die International Men’s Disabled Championship. Und das, obwohl sich Rother am Vorabend der entscheidenden Runde noch Zeit für einen kurzen Trip in die Heimat nahm – zu seiner Abiturfeier. „Geschadet hat es mir nicht. Ich bin relativ früh ins Bett gegangen, habe gut geschlafen“, sagt er.
Die Schlussrunde blieb lange spannend. Nach den ersten neun Löchern lag Rother einen Schlag vor Frederik Brokfelt-Christiansen. Auf den Löchern 10 und 11 spielte er jeweils ein Birdie. Am Ende kam Rother mit drei Schlägen Vorsprung auf den Dänen ins Clubhaus und freute sich über seinen ersten IAM-Titel.
Die Europameisterschaft im italienischen Golf Club Genova Sant’Anna wurde für Jonas Rother anschließend zu einem besonderen Erlebnis. Der Meisterschaftsplatz nahe Genua erwies sich als echter Prüfstein für die europäische Elite. Die hügelige Topografie, die wechselnden Höhenlagen und die anspruchsvolle Platzarchitektur verlangten nicht nur präzise Abschläge, sondern auch sehr exakte Folgeschläge. „Für Golfer ohne Behinderung wäre der Platz nicht ganz so schwer gewesen. Für uns war er aber mehr als nur anspruchsvoll“, berichtet Rother.
Jonas Rother: „Unser Maximum herausgeholt“
Gemeinsam mit dem 63-jährigen Rollstuhlfahrer Christian Nachtwey vom Golf Club Hardenberg bildete der Hofheimer ein Duo. „Klar war, dass Christian in seinem selbst konstruierten und patentierten Stehrollstuhl kürzere Schläge als ich macht. Wir haben auf dem Platz hervorragend kommuniziert. Meistens ist es mir gelungen, die fehlende Länge seiner Schläge zu kompensieren. Ich glaube, wir haben unser Maximum herausgeholt.“
Mit Runden von 81, 80 und 78 Schlägen gehörte das Duo auf dem Par-71-Kurs zu den konstantesten Paarungen des Turniers. Während die Ergebnisse vieler Teams stark schwankten, steigerten sich Rother und Nachtwey von Runde zu Runde und fanden immer besser in ihren Rhythmus. „Es war ein Riesenerlebnis“, schwärmt Rother. „Jedes Kind träumt davon, sein Land einmal in einer Sportart zu repräsentieren. Für mich ist dieser Traum nun in Erfüllung gegangen. Meine Priorität bleibt zwar das Kräftemessen mit Golfern ohne Behinderung. Aber wenn es der Terminplan zulässt, werde ich sicher auch künftig bei Turnieren der Golfer mit Behinderung antreten.“
Nach der Europameisterschaft gönnte sich Rother zunächst einen Urlaub in Österreich. Nun richtet sich der Fokus wieder auf seinen Heimatclub. Mit dem Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne kämpft er bald in der 1. Hessenliga um den Klassenverbleib.
Schon bei der IAM 2025 war Jonas Rother nah dran
Den IAM-Titel hatte Jonas Rother schon 2024 im Visier. Bei seinem ersten Wettbewerb bei den Golfern mit Behinderung wurde er auf Anhieb Silbermedaillengewinner und gleichzeitig als bester Deutscher nationaler Meister. „Es ist sehr schön, Deutscher Meister zu sein. Aber in die Freude mischt sich ein Wermutstropfen. Ich hätte gern beide Titel gewonnen. Was mir mit größter Wahrscheinlichkeit ohne das eingesetzte Gewitter auch gelungen wäre“, erklärte Rother damals.
Seine Enttäuschung ist verständlich: Denn als am zweiten Tag der Wettbewerb im Golfpark Leipzig um 12.49 Uhr nach neun Löchern abgebrochen werden musste, lag der Hofheimer Golfer mit einem großen Vorsprung vorne. „Ich spielte im Spitzenflight der besten drei Spieler und hatte zum Zeitpunkt des Abbruchs sieben Schläge Vorsprung auf den Zweiten.“
Doch der Abbruch war unvermeidbar. Im Laufe des Nachmittags wurden über dem Golfplatz mehr als 2000 Blitze gezählt. So wurden statt der vorgesehenen zwei Runden die Ergebnisse der ersten 18 Löcher zum Schlussresultat und Titelverteidiger Mehmet Kazan (Türkei) gewann mit 73 Schlägen (+1), einen Schlag vor Jonas Rother. „Nach diesem Missgeschick freue ich mich umso mehr, dass es diesmal geklappt hat“, sagt er.
Mit acht Jahren begann Jonas Rother Golf zu spielen
Golf spielt seit seinem achten Lebensjahr die wichtigste Rolle im Leben von Jonas Rother. Damals nahmen ihn die Großeltern während eines Urlaubs in Österreich mit auf den Platz. „Seitdem habe ich die Schläger nie mehr aus der Hand gegeben“, sagt der Hofheimer. Inwieweit er behindert sei, könne er nicht sagen, weil er nichts anderes kenne. Er halte den Schläger fest, wie er kann. Die linke Hand nutzt er dabei nur zur Stabilisierung. „Ich habe den für mich geeigneten Griff gefunden“, erklärt er. „Meine Schlägerkopfgeschwindigkeit ist gehobener Durchschnitt, im Behindertengolf, wie ich gesehen habe, wohl eine der schnellsten der Welt.“ Den – im Vergleich zu Golfern mit zwei normal ausgebildeten Händen – Nachteil beim Abschlag – kompensiert Rother mit gutem Kurzspiel. Seine Stärke seien die Wedges aus unter 100 Metern, erklärt das Ausnahmetalent des Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne.

Auf dem Golfplatz verbringt der große Motorsport-Fan die meiste Zeit. Von Mai bis September ist er praktisch jedes Wochenende bei Turnieren unterwegs. Oft erfolgreich. 2020 gewann er in Berlin sein erstes internationales Jugendturnier und spielte in der Schlussrunde eine 71er-Runde (-1). 2023 gewann er ein internationales U21-Turnier in Weimar ebenso wie die Malta Junior Open und die Hessenmeisterschaft im Vierer.
Die EDGA-Klassifizierung besitzt Rother schon lange. Solange er Schüler war, konzentrierte er sich jedoch auf reguläre Turniere. „Nicht, dass ich mich geweigert hätte, mich mit anderen Golfern mit Behinderung zu messen. Mein Golfpensum ist geringer geworden, da konnte ich es ausprobieren, ein paar Turniere im Behindertengolf zu spielen. Mein Ziel ist es, mich mit den Besten zu messen. Egal ob mit oder ohne Behinderung. Ich gehe an jedes Turnier gleich heran, konzentriere mich nur auf mein Spiel.“
Bislang zählt Golf nicht zum Programm der Paralympics
Wobei ihm schon bewusst ist, dass im Behindertengolf die Konkurrenz deutlich kleiner ist. „Es macht mir Spaß, mich mit Leuten zu messen, die ebenfalls mit einer Einschränkung spielen. Ich wurde sehr nett aufgenommen und fühlte mich in dem Kreis auf Anhieb wohl. Ich will in die Weltrangliste der Golfer mit Behinderung kommen und mich dort in den Top Ten etablieren. Mein Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics.“ Allerdings gehört Golf bislang nicht zum Programm der Paralympics.
Ganz im Geheimen träumt Jonas Rother von noch mehr. Sein Handicap liegt inzwischen bei -1,9, mindestens ein Dutzend Turnierrunden hat er bereits mit drei Schlägen unter Par beendet. „Bei 99 Prozent der Turniere reicht mir das zum Sieg. Natürlich bin ich sicher, irgendwann noch eine tiefere Runde zu spielen. Aber ich bin mit meinen Leistungen aktuell zufrieden und mache mir keinen Druck. Das kommt dann zwangsläufig.“
Eine Agentur sucht für ihn bereits einen Platz an einem US-College. Danach will sich Jonas Rother seinen großen Traum erfüllen: eine Profi-Karriere als Golfer. „Mein Traum wäre es, irgendwann bei den Olympischen Spielen Deutschland zu vertreten.“
















