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Dr. Helmut Luft: Das Leben hat ihn geküsst

Er hat einfach nie aufgehört: Mit Dr. Helmut Luft ist Deutschlands ältester aktiver Golfer im Alter von 101 Jahren in Hofheim verstorben. Ein Nachruf.

Dr. Helmut Luft
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Als er seinen 100. Geburtstag feierte, sang Dr. Helmut Luft selbst – wie jedes Jahr an seinem Geburtstag. Im vollbesetzten Clubhaus des Frankfurter Golf Clubs schmetterte der Jubilar gemeinsam mit seinem Freund Damaso García den Liebeslied-Klassiker „Bésame mucho“. Seine Gäste beeindruckte Luft an diesem Abend im November 2024 einmal mehr mit Worten, Witz und Energie. Die Frage „Wie macht er das nur?“ bestimmte allenthalben die Tischgespräche. Lufts Geheimnis bestand wohl darin, einfach nie aufzuhören mit den Dingen, die ihn erfüllten. Mit 101 Jahren ist Deutschlands ältester aktiver Golfer nun zu Hause in Hofheim am Taunus gestorben.

Sein Golfspiel hat ihn zunächst mehr frustriert als beglückt

Golf war für den renommierten Psychoanalytiker zu seinem eigenen Bedauern eine späte Liebe. In seiner Zeit als ärztlicher Leiter der einstigen Kurklinik Hofheim (1965 bis 2000) blieb ihm kaum Zeit für das Spiel. Allein aus Liebe zu seiner golfbegeisterten Frau sei er 1978 in den Frankfurter Golf Club eingetreten, erzählte er Mitte Fairway in einem Interview. Sein Golfspiel habe ihn zunächst mehr frustriert als beglückt. „Bis dahin war ich gewohnt, Dinge zu erreichen, die ich mir vorgenommen habe“, sagte er. „Beim Golf wollte mir das nicht gelingen – anders als meiner Frau. Mich hat die Wut gepackt.“

Sein Trauma verarbeitete Luft in einem Buch mit dem Titel „Golf ist ganz einfach“. Dieser glatten Lüge versuchte er ab dem Alter von 75 Jahren Wahrheit einzuhauchen. Er war in den beruflichen Ruhestand gegangen und befasste sich von da an, wie er es ausdrückte, seriöser mit Golf. Je mehr er den Reiz des Spiels erkannte, desto mehr ärgerte es ihn, nicht früher begonnen zu haben. Luft spielte Turnier um Turnier und verbesserte in seinem 80. Lebensjahr sein Handicap von 30 auf 20. Auf unzähligen Golfreisen entdeckte er gemeinsam mit seiner Frau die schönsten Golfplätze der Welt. „Old Helmut“ – so unterschrieb er manche E-Mail – spielte nicht nur in Pebble Beach, sondern sogar auf Hawaii. Mit 98 Jahren reiste er noch mit Tochter Sabine und Schwiegersohn Wolfgang nach Schottland. Golfspielen natürlich.

Dr. Helmut Luft: „Niemand sollte leichtfertig aufhören“

Mit dem Golf aufzuhören, kam dem Hofheimer gar nicht in den Sinn. Auch nicht, als er irgendwann auf ein Cart angewiesen war. „Ich kann alle Golferinnen und Golfer nur ermutigen: Niemand sollte leichtfertig aufhören, Golf zu spielen“, betonte Helmut Luft immer. Er verdanke sicher auch dem Golf, dass er dieses hohe Alter erreicht habe. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die er als Supersenior im Frankfurter Golf Club und in seinem zweiten Heimatclub, dem Golf-Club Hof Hausen vor der Sonne, weiterhin auf dem Platz sammelte, fasste er in seinem zweiten Golfbuch „Golf für Junggebliebene“ zusammen.

Seine letzte Golfrunde spielte Helmut Luft gemeinsam mit Tochter Sabine im vergangenen Jahr im Rahmen eines Filmdrehs für das ZDF-Format 37 Grad. „100 Jahre Leben: Was wirklich zählt“ heißt die kürzlich erschienene Dokumentation von Yves Schurzmann. Was für Helmut Luft zählte, war die Zuversicht. Sich von alterstypischen Gebrechen nicht die Lebenslust nehmen zu lassen.

Das galt selbst nach einem schweren Sturz vor fünf Wochen noch. Der 101-Jährige glaubte fest an seine Genesung. Weitere Buchprojekte – über Golf und das Leben als über 90-Jähriger – hatte er nicht nur im Sinn, sondern in der Mache. In der Schublade hatte Helmut Luft auch eine Musterklage gegen das geltende Vorgabesystem, das er gegenüber älteren Menschen für diskriminierend hält. Er forderte, dass „Supersenioren“ ohne Punktabzug von den roten Abschlägen spielen dürfen.

Was sich Helmut Luft wünschte, war, anderen Golferinnen und Golfern ein Vorbild zu sein. Das ist ihm gelungen – wie so vieles in 101 Jahren. Ihn, der voll Inbrunst „Bésame mucho“ sang, hat das Leben geküsst. Sollte er eines Tages wiedergeboren werden, dann werde er schon als Kleinkind mit dem Golfspielen beginnen, kündigte er an. „Wie Tiger Woods.“ Wie schön es wäre, wenn auch dieser Wunsch in Erfüllung ginge.

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