Einmal zu Fuß quer durch das Orange County Convention Center, dafür braucht man schon mindestens zehn Minuten, schätzt Paul Windecker. Der Fitting-Experte von Fachhändler Golf Götze war dabei, als die Golfbranche Ende Januar in Florida einmal mehr auf über 100.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre neuesten Produkte und Materialtrends 2026 vorstellte. Während Inhaber Jan Götze seit beinahe 20 Jahren zur Messe nach Orlando reist, war es für Windecker eine Premiere. „Was mich fasziniert hat, ist, dass es dort neben den großen bekannten Schlägerherstellern so viele kleine Unternehmen und Erfinder gibt, die felsenfest von ihren Produkten überzeugt sind und voller Euphorie auf den Durchbruch hoffen“, sagt er. Vom Ballmarker mit Ausrichtungshilfe, Kaffeebecher mit Score- und Statistikzähler bis hin zu verschiedensten Putter-Typen. „Die New Product Area fand ich besonders spannend“, sagt Windecker.
Schlagfläche der Driver ist ein dominantes Thema
Während in der jüngsten Vergangenheit die „Zero-Torque-Putter“ von L.A.B. Golf für Aufsehen sorgten, sei auf der PGA Merchandise Show 2026 die Beschaffenheit von Driver-Schlagflächen eines der dominanten Themen gewesen, berichtet Jan Götze. Die Schlägerhersteller setzten auf unterschiedliche Materialien: TaylorMade beim neuen Qi4D auf Karbon, Mizuno beim neuen JPX ONE auf Nanoalloy sowie Titanium und Callaway beim Quantum auf eine Kombination aus Titan, Karbon sowie Polymer. Wer dabei vorne liegt? „Mizuno hat mit seinem neuen Driver zu den anderen aufgeschlossen, so dass nun alle Hersteller Top-Modelle auf Augenhöhe haben“, findet Jan Götze. Dazu zählten natürlich auch Marken wie PING und Titleist.
Die Richtschnur beim Driver ist für alle Schlägerbauer nach wie vor: möglichst wenig Spin für mehr Länge, und das möglichst ohne Einbußen bei der Kontrolle. „Auch wenn alle behaupten, sie hätten eine Lösung für dieses Dilemma gefunden, bieten die Hersteller jeweils verschiedene Driver-Ausführungen an: von wenig Spin bis zu maximalem Komfort, also Fehlerverzeihung“, erklärt Götze.
Alle ahmen Vessel-Golftaschen nach
Mit seinem Driver-Adapter samt 33 Einstellmöglichkeiten erregte Cobra im vergangenen Jahr noch viel Aufsehen. Einen großen Trend hat der Hersteller damit jedoch offenbar nicht gesetzt. „Zwar sieht man jetzt häufiger auch in Hybrids und Fairwayhölzern Adapter, aber im großen Stil hat es keine Nachahmungswelle gegeben“, sagt Paul Windecker. Ganz anders beim Golftaschenhersteller Vessel. Dessen charakteristischen Golfbags in matter, einfarbiger Kunstleder-Optik haben diverse Wettbewerber zum Anlass genommen, vergleichbare Modelle zu entwickeln und bei der PGA Merchandise Show zu zeigen.





Doch nicht alles, was in den USA zieht, verkauft sich auch auf dem deutschen Markt gut. „Vessel spricht von veganem Leder, das tatsächlich sehr hochwertig ist, aber nicht gerade leicht“, schildert Jan Götze. In den USA, wo mehr als 70 Prozent der Golfer Cart fahren, interessiere das Gewicht einer Golftasche überhaupt nicht – anders als hierzulande.
Innovationen im Textilbereich betreffen inzwischen hauptsächlich Regenkleidung. Den einstigen Gegensatz aus wasserdicht und atmungsaktiv haben Hersteller wie Kjus und Galvin Green laut Götze am eindrucksvollsten aufgelöst. „Früher war man als Golfer froh, wenn der Regen vorbei war und man die von innen vollgeschwitzten Klamotten wieder ausziehen konnte“, erinnert sich der Fachhändler. „Bei den heutigen Modellen merke ich dagegen gar nicht mehr, dass ich Regenkleidung trage.“
Noch nicht in Deutschland: Tiger Woods‘ Marke Sunday Red

Wobei bei der PGA Merchandise Show auf den ersten Blick nicht sonderlich viele Textilstücke zu sehen sind. Zwar gebe es vereinzelt Modeschauen, berichtet Paul Windecker. Die Stände der namhaften Textilfirmen seien dagegen von Wänden umschlossen, die den Fachbesuchern genügend Ruhe bieten, um für ihre Pro-Shops oder Läden Bestellungen aufzugeben. „Im großen Stil sichtbar für alle war unter anderem Sunday Red, die Marke von Tiger Woods“, sagt Paul Windecker. Das noch junge Modelabel, das zu Taylor Made gehört, erfreue sich einer großen Nachfrage, komme aber leider vorerst nicht auf den deutschen Markt – frühestens 2027.
Neben vielen Eindrücken hat Paul Windecker auch zahlreiche Fotos aus den USA mit nach Hause gebracht. Immer wieder habe er während der Messetage im Orange County Convention Center das Smartphone gezückt, um Gadgets zu fotografieren – mal interessante, mal absurde. „Auf den ersten Blick wirkte der Ballmarker mit Ausrichtungspfeil wie eine gute Idee“, sagt Windecker. Dann sei ihm jedoch aufgefallen, dass man den Golfball, wenn der Pfeil einmal ausgerichtet ist, gar nicht einfach davor platzieren darf, weil man ihn sonst regelwidrig seitlich versetzen würde, wundert sich der Material-Experte. Beim Besuch der PGA Merchandise Show warteten nicht nur die Materialtrends für Golf in 2026, sondern auch die spannende Herausforderung, Nützliches von Obsoletem zu unterscheiden.

















