StartArtikelChristoph Herrmann: „Trainiert da, wo es wehtut!“

Christoph Herrmann: „Trainiert da, wo es wehtut!“

Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann erklärt bei einem Vortrag im Golf-Club Darmstadt Traisa, wie effizientes Golftraining heute aussieht und welche Rolle Athletik dabei spielt.

Chef-Bundestrainer Golf Christoph Herrmann im Golf-Club Darmstadt Traisa
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Christoph Herrmann ist nicht gekommen, um Gefälligkeiten auszutauschen. Dennoch beginnt der Chef-Bundestrainer der Männer den Abend im Golf-Club Darmstadt Traisa mit einem Kompliment: „Golf und Darmstadt, das passt mega gut zusammen.“ Der erste Darmstädter Golf-Club, der Darmstadt Golf Club, sei schließlich bereits 1892 gegründet worden und habe damit zu den ersten Clubs in Deutschland gehört. Für rund 70 Clubmitglieder im vollbesetzten Traisaer Clubrestaurant wird der Abend mit Herrmann zu einer inspirierenden Veranstaltung. Der Tenor: „Trainiert nah an der Platzrealität: Übt putten! Wärmt euch auf!“

Christoph Herrmann nimmt kein Blatt vor den Mund

Christoph Hermann hat sich Verstärkung mitgebracht: Christian Marysko, den Bundestrainer Athletik. Ziel ihres knapp zweistündigen, kurzweiligen Vortrags ist es, typische Schwächen bei der Wettkampfvorbereitung der Golferinnen und Golfer aufzuzeigen. Dabei nimmt der Chef-Bundestrainer kein Blatt vor den Mund, liefert im Gegenzug aber konkrete Empfehlungen für ein optimales Training. Von Übungen mit Kabeln am Körper und Westen, die jegliche Bewegungsfreiheit einschränken, hält er nichts. „Sofort wegschmeißen“, rät er. „Trainiert werden muss da, wo es wehtut“, so sein Dogma. „Geht nah an die Ausübung des Sports, bleibt nahe an der Realität.“

Schon wird Herrmann konkret, startet mit dem Putten: „Das zu üben, kann ich sehr empfehlen. Findet heraus, was euch fordert, und dann trainiert das. Taucht in die Aufgabenstellung ein.“ Ziel sei, mit zwei Putts einzulochen. „Verplempert also keine Zeit, die Distanz aus 5 bis 7 Metern zu üben.“ Entscheidend seien die Putts aus 1,50 bis 2,50 Meter. „Die müssen drin sein.“ Sprüche wie: „Ich habe super gespielt, aber schlecht geputtet“ lassen dem Chef-Bundestrainer die Haare zu Berge stehen. „Das klingt ja so, als gehöre Putten nicht dazu.“

„Kümmert euch um eure Länge“

Überhaupt ist der 59 Jahre alte gebürtige Bayer schonungslos, wenn es um die Entkräftung typischer Golfer-Sprüche geht. „Absoluter Quatsch“ sei auch der Satz: „Ich weiß genau, was ich falsch mache, kann es aber nicht umsetzen.“ Schließlich sei Golf ein Umsetzungssport. Wichtig sei die Analyse: Was fehlt, um möglichst wenige Schläge auf dem Platz zu machen? Die drei wichtigsten Stichworte seien Wiederholbarkeit, Distanz, Richtung. „Distanz ist unheimlich wichtig, kümmert euch um eure Länge“, empfiehlt Herrmann.

Sein Tipp: eine Rundenanalyse mit Plus, Minus und Null. Auf einer Scorekarte werden dabei alle Schlagarten aufgelistet, dann bekommt jeder Schlag eine Bewertung: ein Plus gibt es, wenn der Schlag mir ein gutes Ergebnis liefert; eine Null, wenn das Ergebnis zwar okay, der Schlag aber nicht optimal war; ein Minus, wenn der Schlag das Ergebnis, das ich spielen will, verhindert. Dort, wo es die meisten Minusse gibt, muss laut Herrmann der Übungsschwerpunkt liegen. Sollte ein Coach ins Spiel kommen, „schaut, wer zu euch passt“. Empathie, Klarheit, Kommunikationsfähigkeit, Fachwissen sollten passen und die „Chemie“ stimmen.

Athletik ist ausschlaggebend, um Golf lange zu erleben

Um Golf möglichst lange erleben zu können, sei die Athletik ausschlaggebend, sagt Herrmann, der seit 2018 als Bundestrainer für den Verband aktiv ist. „Tut etwas für euch und euren Körper, bleibt stabil und beweglich!“ Ganzheitliches Training sei der Schlüssel: Stabilität und Mobilität einerseits, Kondition und Koordination andererseits.

Um typische Probleme von Golfern an Schulter, Hüfte und unterem Rücken zu vermeiden, bedürfe es des Core-Trainings, also gezielter Übungen für die Körpermitte. „Fünf Minuten pro Tag sind ein Anfang“, das Ergebnis nach ein paar Wochen sei spürbar. Ob man ein Studio besucht oder individuell trainiert, sei jedem überlassen. Wichtig seien auch Sprünge, auf jeden Fall das Abdrücken von unten nach oben. „Das macht den Schwung schnell und sorgt letztlich für Länge.“

Eindringlich appelliert der Profi schließlich an die Traisaer Golferinnen und Golfer: „Nehmt euch die Zeit zum Aufwärmen. Das ist nichts, was ich machen kann oder lassen soll, es geht darum, Verletzungen zu vermeiden.“ Auf der Tour gebe es niemanden, der sich nicht aufwärmt. Mobilisiert werden Sprunggelenk, Hüftgelenk, Brustwirbelsäule, Schulter, Handgelenk, stabilisiert werden Kniegelenk, Lendenwirbelsäule, Nacken, Ellbogen. Der Erfolg hat drei Buchstaben, so Herrmann: „TUN!“ Dafür gibt es großen Applaus – und ein Dankeschön von den begeisterten Amateuren für die Impulse des Profis.

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