Am Ende entscheidet nicht Glück, sondern pure Präzision. Im Stechen um den Sieg bei der VcG Neuhof Open schlägt der Franzose Alexandre d’Aurelle de Paladines seinen Ball auf dem zweiten Extraloch aus 125 Metern Entfernung bis auf 60 Zentimeter an die Fahne heran. Mit dem Putt zum Birdie lässt er seinen Landsmann Antoine Bachelier und den Habsberger Leon Breimer endgültig hinter sich. Für den 24-jährigen Tourspieler aus Biarritz ist es der erste Profisieg – und der Jubel entsprechend emotional. „On va boire“ („Wir werden trinken“), sind seine ersten Worte an die französischen Tourkollegen, die sich ausgelassen mit ihm freuen.
Eine Pferdestärke mehr vor der Finalrunde
Als Alexandre d’Aurelle de Paladines bei der Siegerehrung seinen Siegerpokal aus Glas überreicht bekommt, ist auch Neuhofs Gutsherr Conrad Schumacher da. „Ich freue mich sehr, dass der Junge gewonnen hat“, sagt er. „Gestern Abend war er noch drüben am Stall und hat ein Pferd gestreichelt.“ Der Golfer habe gesagt, das bringe ihm etwas Ausgeglichenheit. Vielleicht sprang so am Vorabend der Finalrunde die entscheidende Pferdestärke auf ihn über.
Lange sah es so aus, als feiere ein anderer Franzose im Golf-Club Neuhof einen Start-Ziel-Sieg: Maxime Goupy. Der Mann aus der Provence schien alles im Griff zu haben, verbesserte seinen Score von acht unter Par in der Schlussrunde sogar noch um einen Schlag. Spätestens an Bahn 14 änderte sich dann alles. Auf dem kurzen Par 4 verlor Goupy bei einem Abschlag mit dem Eisen seinen Ball links im Wasserhindernis und – nach Strafschlag und Drop – einen weiteren hinter dem Grün im Aus. Acht Schläge bedeuteten für ihn einen drastischen Absturz auf dem Leaderboard.

Leon Breimer vom Golfclub Am Habsberg, bereits im Clubhaus, stand mit sechs Schlägen unter Par plötzlich ganz oben. Ihm gelang am Schlusstag mit 66 Schlägen (-6) die beste Runde aller Spieler. Antoine Bachelier und anschließend Alexandre d’Aurelle de Paladines retteten sich mit einem Birdie auf der 18. Bahn noch ins Stechen mit Breimer. Velten Meyer dagegen verpasste auf den Bahnen 17 und 18 denkbar knapp ein Birdie und damit auch die Chance auf ein deutsch-französisches „Zwei gegen Zwei“.
Noch keine Entscheidung am ersten Extraloch
Bachelier erspielte sich auf dem ersten Extraloch mit zwei sehr guten Schlägen gewissermaßen einen Matchball, also den Putt zum Sieg. Denn Leon Breimers Annäherung blieb in der Bunkerwand stecken und Alexandre d’Aurelle de Paladines musste von hinter dem Grün zurückchippen.

Doch Bachelier, gelernter Pâtissier aus Paris, verschob seinen Putt aus knapp drei Metern. Unter den Augen von rund 50 Zuschauern spielten alle drei ein Par. An Bahn zwei war es dann d’Aurelle de Paladines, der sich mit seinem Wedgeschlag zum Grün den Weg zum Sieg ebnete.



„Als ich den Platz gesehen habe, war mein erster Gedanke: Das ist nichts für mich“, sagt d’Aurelle de Paladines. Er haue eher einen weiten Ball und sei eigentlich nicht bekannt für sogenanntes Target-Golf. In seinen vier Jahren als College-Golfer an der James Madison University in Virginia habe er gemerkt: Amerikanische Golfplätze sind sein Ding. Nun weiß er, dass er auf einem engen, selektiven Platz sogar unter Druck bestehen kann. (Hier geht es zu den Ergebnissen)
Nach VcG Neuhof Open: Pro Golf Tour in Polen
Die im Stechen unterlegenen Leon Breimer und Antoine Bachelier zeigten Größe im Moment der Niederlage und freuten sich mit dem bewegten Sieger. Breimer bleibt in Frankfurt und spielt am Wochenende mit dem Golfclub Am Habsberg im Frankfurter Golf Club. Die Pro Golf Tour zieht derweil weiter nach Polen, wo am 1. Juli die Gradi Polish Open by Emeralld stattfinden.
Für den Golf-Club Neuhof sei die VcG Neuhof Open eine durchweg positive Erfahrung, sagt Clubmanager Michael Wrulich. Zeitnah entscheide der Club darüber, ob er auch im kommenden Jahr das dritte und abschließende Event des German Swing ausrichten werde. „Es sieht erst einmal alles danach aus“, sagt Wrulich, der Alexandre d’Aurelle de Paladines ein Neuhöfer Club-Poloshirt schenkte. Ob man sich im kommenden Jahr wiedersieht, ist ungewiss. „Ich hoffe, dass ich den Sprung auf die HotelPlanner Tour schaffe“, so der Sieger.
















