Quando ist ein Wettkampftyp, er hat schon zahlreiche Titel eingefahren, jetzt lernt er Golf. Genauer gesagt: die Hunde-Etikette. Der Kurzhaarcollie ist mit seinem Frauchen zum fünften Mal auf dem Golfplatz, und sein Instinkt ist durchaus im Spiel. „Quando ist ein Hütehund, der rennen will“, sagt Ute Mühlnickel, Mitglied im Golf-Park Winnerod. Wenn sie ihren Schläger schwingt, hat der junge Rassehund noch Mühe stillzustehen.
Großes Glück, Golf und Hund zu verbinden
„Ginge es nach seinem Naturell, dann würde er dem Golfball hinterherjagen und ihn apportieren“, erklärt Mühlnickel. Dass sie in ihrem Heimatclub die Liebe zum Golf und zu Hunden verbinden kann, sei für sie ein großes Glück. „Golfer lieben die Natur und einige von ihnen haben auch Hunde. Warum sollten die Tiere sechs Stunden zuhause bleiben, wenn auf dem Golfplatz ein toller Spaziergang wartet?“, fragt sich Mühlnickel.
Auf einigen Golfplätzen in Hessen sind Hunde willkommen. Neben Winnerod erlauben zum Beispiel auch die Golfclubs in Attighof, Eschenrod, Friedberg und Braunfels Vierbeiner auf der Runde – sofern sie an der Leine geführt werden und das Spiel nicht stören. Wobei es sich in Braunfels bisher noch um einen Testlauf handelt, der Mitte Mai begonnen hat. „Wir sammeln Erfahrungen, bevor wir endgültig entscheiden“, heißt es im Clubsekretariat. Auch im Golfclub Dillenburg gibt es Bestrebungen, Hunde zuzulassen; bei der nächsten Mitgliederversammlung könnte es soweit sein. Es gibt auch Clubs, die eine Hunde-Platzreife fordern, eine Art Wesensprüfung.

Ute Mühlnickel erzählt, sie habe im Golfpark Altenstadt mit dem Golfspielen begonnen, sei aber wegen ihrer Hunde nach Winnerod gewechselt. Bevor sie Quando bekommen habe, hätte sie zwei Spaniel gehabt, denen die Golfetikette förmlich angeboren schien. Der zweieinhalb Jahre junge Quando habe bei internationalen Hundeausstellungen schon die Formwertnote „vorzüglich“ erhalten und sei sogar als „Best of the Best“ ausgezeichnet worden. „Auf dem Golfplatz ist er noch nicht perfekt“, sagt Mühlnickel und schmunzelt. Aber wer – ob Vierbeiner oder Zweibeiner – kann das schon von sich sagen?
Der Hund wartet fünf, sechs Meter entfernt – angeleint
Um ihren Collie an den Spielrhythmus, das Schlaggeräusch und das zeitweise Verharren zu gewöhnen, parkt Ute Mühlnickel Quando, bevor sie schlägt, stets fünf, sechs Meter von sich entfernt, angeleint an ihren Trolley. „Jetzt ist er noch ein Kasper, aber mit drei oder vier Jahren wird er sicher deutlich ruhiger sein, dann wird ihm die Golfrunde leichter fallen“, prognostiziert sie.
Neben Quando gebe es in Winnerod mindestens noch eine Bordeaux-Dogge, einen Rhodesian Ridgeback und einen Großpudel. „Für eine Golfrunde muss ein Hund die nötige Ausdauer haben“, betont Mühlnickel. Zwar könne man so gut wie jeden Hund darauf trainieren, aber ein kerniger Jack Russell tue sich tendenziell leichter als ein Yorkshire Terrier. Im Zweifelsfall würde ein Hund beim Golf seine Unlust auch deutlich machen.
„Man sollte sie nicht über den Platz ziehen, sondern Hund sein lassen“, findet Mühlnickel. Für Quando hat Ute Mühlnickel auf dem Golfplatz immer Leckerlis dabei, Wasser samt faltbarem Napf und Beutel für Hinterlassenschaften – ganz wichtig für den Frieden zwischen Golfern mit und ohne Hund. Winnerods stellvertretender Geschäftsführer Sven-Patrick Lauer sagt: „Ich bin seit zehn Jahren hier und habe noch keine Beschwerde über Hunde gehört.“
Die Tradition spricht für Golf mit Hund
Wenn tatsächlich schottische Schäfer das Golfspiel erfunden haben, war der Schäferhund wohl von Anbeginn mit dabei. Sogar in den ersten schriftlichen Golfregeln aus dem Jahr 1744 wurde der Hund erwähnt. Regel 10 besagte: „Wenn der Ball durch eine andere Person, einen Hund oder ähnliches gestoppt wird, muss er so gespielt werden, wie er liegt.“ Ein Indiz, dass Hunde auf dem Golfplatz keine Seltenheit waren.







