StartArtikel„Unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“

„Unsere kühnsten Erwartungen übertroffen“

Ergriffen von Johnny Heimes’ Schicksal und Engagement initiierten Nils Schmiedeknecht und Felix Schneider vom Golf-Club Darmstadt Traisa vor zehn Jahren die „Du musst kämpfen!“ Golf-Trophy. Eine große Erfolgsgeschichte.

Du musst kämpfen! Golf-Trophy
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Herr Schmiedeknecht und Herr Schneider, Sie haben mit Ihrer „Du musst kämpfen!“ Golf-Trophy zugunsten von krebskranken Kindern im vergangenen Jahr 90.000 Euro Spendengeld eingesammelt. Seitdem Sie 2017 angefangen haben, ist die Summe stets gestiegen. Wie kam Ihnen seinerzeit die Idee zu diesem Charity-Golfturnier?

Felix Schneider: Das war eine recht spontane Idee, als Nils und ich an einem lauen Frühsommerabend im Golf-Club Darmstadt Traisa auf der Clubhausterrasse saßen. Als damaliger Co-Sportwart habe ich nach einem Ersatz für ein abgesagtes Sponsorenturnier gesucht und Nils gefragt, ob er Lust hätte, gemeinsam mit mir ein Charity-Golfturnier auf die Beine zu stellen.

Nils Schmiedeknecht: Meine Antwort war: Ja, aber nur für „Du musst kämpfen!“, die Initiative des 2016 an Krebs verstorbenen Jonathan Heimes. Felix und ich sind beide eingefleischte Lilien-Fans, also Fans vom SV Darmstadt 98, und haben Johnnys Kampf gegen den Krebs nicht nur verfolgt, sondern seine Initiative schon früher aktiv unterstützt. (Mehr Informationen über „Du musst kämpfen!“) Johnny ist untrennbar verbunden mit dem ersten Aufstieg der Lilien 2015 in die Erste Bundesliga. Ich kannte Johnny persönlich, habe ihn auch im Rollstuhl durchs Stadion geschoben und dort mit meiner Familie auch seine Motivations-Bändchen verkauft. Die erste „Du musst kämpfen!“ Golf-Trophy haben Felix und ich dann innerhalb von zwei, drei Monaten auf die Beine gestellt.

Die erste Auflage fand an einem Dienstagabend statt, ein Turnier im Golf-Club Darmstadt Traisa über neun Löcher, also eher After-Work-Charme als großes Tamtam. Wie kam damals trotzdem auf Anhieb eine Spendensumme von mehr als 30.000 Euro zusammen?

Schneider: Unser Gedanke war: Irgendwie werden wir über unsere Netzwerke schon 10.000 Euro zusammengekratzt bekommen. Wir wollten allen Firmen die Möglichkeit geben, das Turnier zu unterstützen und haben bewusst keine Phantasiepreise für das Sponsoring aufgerufen. Das Gold- und das Silberpaket gibt es für einen moderaten Betrag. Der kleine Elektrobetrieb um die Ecke sollte sich genauso engagieren können wie ein börsennotiertes Unternehmen. Der Erfolg mit der enormen Spendensumme hat uns dann aber doch überrascht. Rund 50 Spielerinnen und Spieler waren bei der Premiere am Start und die Resonanz war großartig. Wir hatten gar keine andere Wahl, als weiterzumachen.

Schmiedeknecht: An unserem niederschwelligen Sponsoring-Konzept haben wir bis heute nichts geändert. Auch deshalb werden wir in diesem Jahr bei der inzwischen zehnten „Du musst kämpfen!“ Golf-Trophy am 1. August mehr als 90 Unternehmen und Personen als Unterstützer haben. Seit der zweiten Auflage findet das Turnier übrigens immer an einem Samstag statt.

Wie konnte das Turnier auf einer Neun-Loch-Anlage wie Darmstadt Traisa bis heute so stark wachsen?

Schneider: Seit einigen Jahren spielen wir morgens und mittags, um möglichst vielen Golferinnen und Golfern die Teilnahme zu ermöglichen. Wenn wir mehr Platz hätten, würden wir deutlich mehr Spieler zusammenbekommen. Aber dieses Turnier gehört einfach in unseren Heimatclub, nach Darmstadt, wie Johnny. 80 Teilnehmer sind unser Limit.

Schmiedeknecht: Da trifft es sich gut, dass einige unserer Sponsoren selbst gar kein Golf spielen, aber Freude daran haben, uns zu unterstützen. Sie kommen dann zu unserer tollen Abendveranstaltung. In dem Rahmen versteigern wir seit ein paar Jahren auch tolle Preise, die von den Sponsoren gestiftet werden. Nach der Siegerehrung und der Versteigerung ziehen Felix und ich uns dann zurück und rechnen. Meist fragen wir dann noch den einen oder anderen Sponsoren, ob er nicht noch ein bisschen drauflegen möchte, bevor wir das Gesamtergebnis bekanntgeben. Den Scheck übergeben wir dann symbolisch an Johnnys Vater Martin Heimes, der die Initiative „Du muss kämpfen!“ leitet.

„Johnny Heimes lag dieses Projekt sehr am Herzen“

Mehr als 500.000 Euro haben Sie mit der Golf-Trophy schon eingesammelt. Welchem Zweck kommt dieses Geld zu Gute?

Schmiedeknecht: Gefördert wird dadurch vor allem die supportive Sporttherapie für krebskranke Kinder an der Uniklinik Frankfurt. Dafür muss man wissen: Eine Chemotherapie führt nicht nur zu Einschränkungen des Bewegungsdrangs, sondern auch zu gravierenden körperlichen und psychosozialen Folgeschäden wie Muskelabbau, Schmerzen, Erschöpfung, Schwächung des Selbstwertgefühls und Depressivität. Dem kann eine entwicklungsspezifische, individualisierte Sporttherapie erfolgreich entgegenwirken.

Schneider: Johnny lag dieses Projekt sehr am Herzen. Er hat in seinem jahrelangen Kampf gegen den Krebs selbst erfahren, wie gut ihm der Sport und die damit verbundene Ablenkung während der Chemotherapie getan hat. Eine Mitarbeiterin der Uniklinik hält am Abend der Golf-Trophy auch immer einen Vortrag über das, was wir alle gemeinsam mit den Spenden ermöglichen.

Inwieweit sorgen das Schicksal von Johnny und das Leid der krebskranken Kinder zwangsläufig für Betroffenheit und Schwere?

Schmiedeknecht: Das Thema ist natürlich schon präsent. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals zeitgleich zum Turnier einen Golf-Schnupperkurs für ein paar betroffene Kinder in der Nachsorge angeboten. Wir sind mit ihnen auf die Driving Range gefahren, wo Spieler unserer ersten Mannschaft mit ihnen Putten und Chippen trainiert haben. Dieser Schnupperkurs wird auch dieses Jahr wieder Bestandteil der Trophy.

Schneider: Für die Kinder war es die Möglichkeit, dem schweren Alltag eine Zeitlang zu entfliehen. Das war schon sehr bewegend. Übrigens unterstützt uns traditionell auch Johnnys Familie tatkräftig bei der „Du musst kämpfen!“ Golf-Trophy. Im vergangenen Jahr war auch Tischtennis-Star Timo Boll mit von der Partie. Nils hat ihn vor unseren rund 130 Gästen interviewt. Ein sympathischer Weltstar, der unsere Abendveranstaltung um einen tollen Programmpunkt erweitert hat.

Das alles können Sie unmöglich zu zweit stemmen!

Schmiedeknecht: Am Tag der Golf-Trophy haben wir natürlich einige Helfer, angefangen von Familie Heimes bis zu unserem Clubsekretariat. Alles Organisatorische im Vorfeld schultern aber Felix und ich, unterstützt durch unsere Partnerinnen, die für die Flyererstellung und Social Media zuständig sind.

Schneider: Die Golf-Trophy hat längst unsere kühnsten Erwartungen übertroffen. Dieser Erfolg und die Unterstützung für krebskranke Kinder motiviert uns und treibt uns an. 

Wie kann man die Trophy unterstützen?

Schneider: Wir freuen uns natürlich über jeden weiteren Sponsor, der dieses Event unterstützen möchte.

Schmiedeknecht: Gute Berichterstattung über die Trophy tut ihr Übriges. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Aufmerksamkeit für die tolle Trophy, aber auch für Johnnys wunderbare Initiative.     

Über die Initiatoren

Nils Schmiedeknecht arbeitet als Anwalt für Wirtschaftsrecht und ist seit sieben Jahren Vize-Präsident des Golf-Club Darmstadt Traisa. Architekt Felix Schneider war zehn Jahre lang Co-Sportwart des Clubs.

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