Wäre Topgolf ein Gewinn für die Golfregion Rhein-Main? Seitdem das amerikanische Franchise-System 2022 mit seiner Mischung aus Golf, Entertainment und Sportsbar in Oberhausen seinen ersten Standort in Deutschland eröffnet hat, gibt es solche Gedankenspiele auch in Frankfurt. Mehr noch seit Topgolf bekannt gegeben hat, in Halstenbek, am Stadtrand von Hamburg, eine zweite deutsche Anlage zu bauen. Nach Informationen von Mitte Fairway gibt es in der Rhein-Main-Region Investoren, die sich an einer Topgolf-Filiale in oder nahe Frankfurt beteiligen würden – aber lieber unerwähnt bleiben. „Meine Hoffnung ist, dass durch neue Formate wie Topgolf die Hemmschwelle zum Ausprobieren von Golf niedriger wird“, sagt Christofer Hattemer, Präsident des Hessischen Golfverbands (HGV).
Kreuzung aus Bowlingbahn und Driving Range
Die dreistöckigen Topgolf-Anlagen sind eine gigantische Kreuzung aus Driving Range und Bowlingbahn, mit jeweils 102 Abschlagboxen, Sitzecken, Bildschirmen, Leihequipment, Bars, Bedienung am Platz sowie 500 kostenfreien Parkplätzen. Die Golfbälle werden automatisch aufs Tee gesetzt und über einen Chip im Ballinneren verfolgt. Es geht darum, auf einer eingezäunten Range-Fläche Zielbereiche in verschiedenen Entfernungen möglichst mittig zu treffen. Topgolf nimmt eine Mietgebühr für die Abschlagbox, auch Bay genannt, erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes aber mit Speisen und Getränken. Das Verhältnis liege bei 25 zu 75 Prozent, heißt es aus Branchenkreisen.
Die Kunden sind laut Topgolf zu 90 Prozent Nicht-Golfer. Viele kommen dort also erstmals mit Golf in Berührung – etwa bei Geburtstagsfeiern, Firmen-Events oder Junggesellenabschieden. Von mehr als 30.000 Kunden pro Monat pro Anlage spricht das Schweizer Unternehmen Greenreb, das die Topgolf-Franchiserechte für Mitteleuropa innehat. Der Laden muss brummen: In Oberhausen lag die Anfangsinvestition bei rund 50 Millionen Euro. Vier Jahre später rechnet Greenreb in Halstenbek mit Kosten von 45 Millionen Euro, inklusive einem Hotel mit 150 Zimmern.
In Frankfurt wäre Topgolf konkurrenzlos
Dass die Wahl für den zweiten Standort hierzulande auf Hamburg fiel, ist durchaus überraschend. Seit 2005 bereits betreibt die Golf Lounge Hamburg ein ganz ähnliches Konzept, anfangs im Stadtteil Rothenburgsort, seit 2022 in Moorfleet. Wer die Suchbegriffe „Topgolf Hamburg“ bei Google eingibt, bekommt nicht von ungefähr als ersten Treffer die Golf Lounge angezeigt. Mit Topgolf kommt nun das Original an die Elbe, das Unternehmer Peter Merck in den USA einst zu seiner Golf Lounge inspirierte. In Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet wäre Topgolf mit seinem Konzept dagegen konkurrenzlos gewesen.

Über den tatsächlichen Nutzen des inzwischen weltweit verbreiteten Franchise-Systems (u. a. Las Vegas und Dubai) für die jeweilige Golfregion und den Golfsport an sich gibt es derweil unterschiedliche Ansichten. „Die beiden Golfanlagen, die Topgolf Oberhausen am nächsten liegen, haben mir gesagt, dass sie keinerlei positiven Effekt, sprich Zulauf, durch die Nachbarschaft spüren“, berichtet Michael Jacoby, der gut vernetzte Veranstalter der Messe Rheingolf in Düsseldorf.
„Keine Intention, nachhaltiges Interesse an Golf zu wecken“
Was die Heranführung an den Sport betrifft, ähnelt Topgolf tatsächlich einer Bowlingbahn. Statt „hier sind die Kugeln“ heißt es „dort stecken die Schläger“. Viel Spaß. Ein kurzes Intro in den Golfschwung ist standardmäßig nicht vorgesehen. Auf einem Schild neben den Schlägern steht jeweils, welche Entfernungen damit etwa zu überwinden sind – wenn es gut läuft. „Umtriebig ist das Personal vor allem, wenn es darum geht, Essen und Getränke anzubieten“, sagt Marco Paeke, Geschäftsführer der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG), der für innovative Ansätze bei der Golfergewinnung immer offen ist. „Mein Eindruck ist, dass Topgolf seinen Gästen vor allem einen netten Abend oder Nachmittag bescheren möchte, aber die Intention nicht darin liegt, ein nachhaltiges Interesse am Thema Golf zu wecken.“ Diese Beobachtung habe er bei einem Besuch in Oberhausen gemacht, wenige Wochen nachdem die Anlage eröffnet hatte. „Vielleicht hat sich das in der Zwischenzeit geändert“, so Paeke.
Anfragen von Mitte Fairway über die Voraussetzungen für eine Expansion in die Rhein-Main-Region ließen Oberhausens Topgolf-Geschäftsführer Patrick Davis und Greenreb-CEO David Paul Speiser unbeantwortet. Bekannt ist, dass das Unternehmen bald einen weiteren Standort in der Nähe von Mailand eröffnen will. Die Pläne in Hamburg haben kürzlich von der Halstenbeker Gemeindevertretung die notwendige Zustimmung erhalten – kurz darauf aber einen Dämpfer. Mit Verweis auf geschützte Fledermäuse kündigte ein Mitglied einer örtlichen Bürgerinitiative gegenüber der Bild-Zeitung an: „Ich werde jede Klage einreichen, die möglich ist und das Projekt um mindestens fünf Jahre verzögern.“ Die Hauptsorgen der Kritiker sind das zu erwartende Verkehrsaufkommen sowie starke Lärmemissionen durch die Topgolf-Anlage.








