Dass sich meine Tochter nicht viel aus Golf macht, ist untertrieben. Die mittlere von Dreien, neun Jahre alt, liebt Turnen, Schwimmen und Achterbahnfahren. Was genau an Golf Spaß macht, hat sich ihr bis vor kurzem nicht erschlossen. Dabei hat es an Berührungspunkten nicht gemangelt: Meine Frau und ich spielen Golf, die Großeltern auch, Kindergolfschläger haben wir im Haus. Das Angebot „Kommst du mit?“ gilt zudem latent. Angenommen hat es hin und wieder lediglich unsere Jüngste, acht Jahre alt. Auf der Driving Range entwickelt sie sichtlich Ehrgeiz, auf dem Putting-Grün fordert sie mich sogar heraus. Aber die Mittlere hat sich auch nach mehreren Stichproben nicht für das Thema erwärmen können.
Gebannt vom Magic Pont von TrackMan
Warum? Vielleicht liegt es daran, dass sie gerade nicht auf der Suche nach einer weiteren Sportart ist. Vielleicht fehlten direkte Erfolgserlebnisse. Golf ist eben schwierig. Als Gelegenheitssportart eignet es sich daher weniger. Was tun? Ich dürfte einer von vielen Vätern sein, der sich insgeheim ausmalt, wie schön es wäre, eines Tages mit meinen Töchtern und vielleicht sogar Enkelkindern gemeinsam Golf zu spielen. Ich dürfte aber auch einer von vielen Vätern sein, der konstatiert: So einfach wie es scheint, ist dieses Unterfangen nicht.
Umso verblüffter war ich, als wir kürzlich zur Eröffnung von Indoorgolf-Anbieter RUFF Golf in Dreieich waren – mit unseren zwei jüngsten Kindern. Während Inhaber Alexander Hüge noch seine Begrüßungsrede hielt, hatten die Mädchen – nach höflicher Nachfrage – schon eine Simulatorbox in Beschlag genommen. Dort wartete keine virtuelle Driving Range und auch nicht der digitalisierte Old Course von St Andrews, sondern ein quietschbuntes TrackMan-Spiel namens Magic Pond. „Jeder Schlag ein Treffer“, hatte mir TrackMan-Mitarbeiter Tobias Kaiser noch siegesgewiss anvertraut. Dann ging es für die jungen Gar-nicht- bis Gelegenheits-Golferinnen los.
Bei jedem Ball, der die Leinwand trifft, schleudert ein Magier mit seinem Zauberstab einen rauchenden Ball Richtung Teich – den Magic Pond. Auf verschiedenen Inseln sowie am Ufer hinter dem Teich warten Spinnennetze, Tore, Fässer und Höhlen auf einen Treffer. Schlägt der Ball ein, springt ein Monster hervor, egal ob der Ball es bis zum Ziel schafft oder davor im Teich landet.
Halb bewusst, halb unbewusst am Golfschwung feilen
Nur wenige Schläge bzw. tanzende Monster später sind die Mädchen im Tunnel. Was wohl in dem Fass steckt? Das Spinnennetz haben wir noch nicht getroffen! Es blinkt und funkelt unentwegt. Puristen, die beim Golf die sanften Töne und das Reizarme der Natur schätzen, werden hier nicht fündig. Aber die neunjährige Turnerin ist hin und weg. Mit jedem Schlag wächst der eigene Anspruch. Die Trostmonster bei Wassertreffern sind schön und gut. Aber sie will mehr. Also feilt sie, halb bewusst, halb unbewusst, an ihrem Golfschwung, an Treffmoment, Richtung und Länge – ganz intuitiv.
Nicht eine halbe Stunde, nicht eine und auch nicht zwei Stunden: Nach dreieinhalb Stunden, als wir Eltern uns zum Rückzug entschließen, ist es alles andere als leicht, die golfenden Mädchen von ihrer neuen Entdeckung zu lösen. Sie spielen inzwischen virtuelles Minigolf, zwischendurch haben sie auch mal einen Fantasie-Golfplatz ausprobiert, der auf den Dächern von Wolkenkratzern liegt. Auch das kann Golf sein. „Diese Gamification ist aus meiner Sicht ein legitimer und packender Zugang zu Golf“, sagt Unternehmer Alexander Hüge von RUFF Golf. Es seien schon Golflehrer mit Kindern dagewesen, die bewusst am Magic Pond trainiert hätten. Technische Korrekturen seien schließlich auch möglich, wenn man auf Monster statt auf Fahnen zielt. Alle Anbieter von Indoorgolf, die mit Simulatoren von TrackMan arbeiten, haben auch den Magic Pond.
Meine Töchter haben derweil einen Golfschwung. Gewiss, es handelt sich noch um einen selbstgebastelten. Aber das erste Verständnis für die Bewegung, für die Hand-Augen-Koordination und für das Golfglück ist da. Erste Erfolgserlebnisse sind gefeiert. Dass sie bei einer der nächsten Gelegenheiten mit zum Golf kommen, ob Indoor oder Outdoor, traue ich nun beiden zu. Der Magic Pond, dieses gespickte Wasserhindernis, hat auch mich beim Zusehen so sehr gereizt, dass ich irgendwann mitgespielt habe. Meine Kinder und ich beim Golf – das kann mir niemand mehr nehmen.













