Das Wochenende sei für sie verlaufen wie ein Märchen, sagt Romy Sander. „Mit einem total unerwarteten Ausgang.“ Die 14-jährige Schülerin aus Bad Homburg war die jüngste Teilnehmerin bei der diesjährigen Deutschen Lochspielmeisterschaft im Golfclub Urloffen – und am Ende die Siegerin. Im Finale schlug die Spielerin vom Frankfurter Golf Club Anjana Cordes aus dem Golf-Club Neuhof kompromisslos mit 7&5. Als ihr Sieg nach 13 gespielten Löchern feststand, lag Romy Sander sechs Schläge unter Par. Eine Traumrunde auf der bisher größten sportlichen Bühne. „So viel Ruhe, Gelassenheit und Abgeklärtheit im Matchplay habe ich noch nie beobachtet“, sagt Vater Fabian Sander, als AK30-Kapitän des Royal Homburger Golf Club ein erfahrener Golfer.
Romy Sander auf Rang sieben der Zählspielqualifikation
Mit einem Handicap von 0,1 hatte Romy Sander im Feld der 18 Teilnehmerinnen die zweithöchste Spielvorgabe. In den zwei Runden Zählspielqualifikation konnte die Schülerin dann jedoch feststellen, dass sie mit ihrem Spiel durchaus mithalten kann. 77 und 74 Schläge (+7) bedeuteten Rang sieben und damit einen Platz im Viertelfinale.
„Ich habe mir nichts erhofft und bin auch in alle Matches als Underdog gegangen“, sagt sie. Sara Nüßle vom Golfclub Domäne Niederreutin besiegte sie mit 1 auf. Auch im Halbfinale gegen Maxima Purkart vom Golf Club St. Leon-Rot hatte Romy Sander mit 1 auf knapp das bessere Ende für sich. Im Finale am Sonntagmorgen zeigte die FGC-Spielerin dann vom Start weg ihr bestes Golf und ließ der erfahrenen Anjana Cordes keine Chance.

„Wir haben während der Finalrunde über die nächsten Kuchen gesprochen, auf die wir Lust hätten, und darüber, dass morgen wieder Schule ist“, berichtet Fabian Sander, der seine Tochter als Caddie unterstützte. Das mit der Schule habe seine Tochter in dem Moment aber nicht gerade als motivierend empfunden, sagt Sander und lacht. Er war es, der seine Tochter als Kind mit in den Royal Homburger Golf Club nahm, um sie für seinen liebsten Sport zu begeistern.
Jugendtrainer Dowens: „Immer den Biss zu gewinnen“
Golfprofessional Anthony Dowens erinnert sich an erste Trainingseinheiten, in denen ein Kuscheltier noch für Vertrautheit im ungewohnten Umfeld sorgte. „Romy hatte immer den Willen und den Biss zu gewinnen und hat mich oft im Chippen und Putten herausgefordert“, so Dowens. Mit elf oder zwölf Jahren sei bei ihr dann merklich auch der Ehrgeiz dazugekommen, am Golfspiel zu arbeiten und besser zu werden. Dafür habe sie auch aufgehört, Basketball zu spielen – bis dahin eine weitere Leidenschaft.
Im November 2024 wechselte Romy Sander in den Frankfurter Golf Club und gewann 2025 mit dem AK14-Team bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft Silber. Es sei für sie eine neue und erhebende Erfahrung gewesen, das Team als Leaderin anzuführen, sagt sie, die seit ihrem Wechsel zum FGC mit Trainer Alexis Szappanos zusammenarbeitet. „Ohne die anderthalb Jahre mit Alexis wäre ich definitiv nicht da, wo ich mit meinem Golfspiel jetzt bin.“
Golf spielt in Romy Sanders Alltag inzwischen eine alles bestimmende Rolle. „Ich liebe den Leistungssport und insbesondere die Turniersaison, die jetzt begonnen hat, weil sie mit so vielen Erlebnissen, Erfahrungen und Reisen verbunden ist und damit für das harte Training in der Off-Season entschädigt“, sagt die Achtklässlerin der Usinger Christian-Wirth-Schule.
Romy Sander nun im Frankfurter Bundesliga-Team
In ihrer Siegesrede dankte Romy Sander nicht nur Coach Alexis Szappanos, sondern auch Hessens Landestrainer: „In den letzten Runden vor der Lochspielmeisterschaft habe ich mies geputtet, so dass ich kurzfristig mit Jan Förster noch einmal an meinem Putten gearbeitet habe.“ Mit sichtlichem Erfolg. Auf dem Rückweg von Urloffen nach Bad Homburg erhielt Romy Sander dann auch die Einladung, Teil des Frankfurter Bundesliga-Teams zu werden, das am 16. Mai in St. Leon-Rot in die Saison startet.

„Ein konsequenter Schritt“, findet die Deutsche Vizemeisterin Anjana Cordes. „Ich habe ihr gesagt, dass ich stolz auf sie bin und ihr den Sieg von Herzen gönne.“ Im Halbfinale gegen Luisa Hartmann vom Golfclub Aldruper Heide konnte die Neuhöferin noch einen Rückstand von sieben Löchern umbiegen und am dritten Extraloch gewinnen. Im Finale gelang Cordes dieses Kunststück allerdings kein zweites Mal. „Romy hat einfach keine Fehler gemacht und ich habe wahrscheinlich im Halbfinale zu viel Energie gelassen“, so ihre Erklärung. Die Enttäuschung habe nicht lange angehalten. Schließlich sei sie – ähnlich wie Romy Sander – ohne große Erwartungen in ihre erste Deutsche Lochspielmeisterschaft gegangen.
Für die neue Deutsche Lochspielmeisterin Romy Sander folgt nun unmittelbar die nächste große Bühne: die Internationale Deutsche Amateurmeisterschaft der Damen vom 7. bis 9. Mai im Golf & Country Club Seddiner See.
Frankfurter Moritz Muhl auf Rang vier
Im Wettbewerb der Herren belegte der Frankfurter Moritz Muhl den vierten Platz. Sein Viertelfinale gewann der Routinier gegen Titelverteidiger Tjelle Rieger mit 1 auf am zweiten Extraloch. Im Match um Bronze unterlag Muhl knapp dem Hubbelrather Cedric Otten. Deutscher Lochspielmeister wurde Leo Böhm vom Münchener Golfclub, der im Finale Berlin-Wannsees Kieron Kaube besiegte.
Bei den Damen belegte Alena Oppenheimer vom Stuttgarter Golfclub Solitude und Geschäftsführerin des Golf-Club Main-Taunus Rang fünf und Johanna Kirch vom Frankfurter Golf Club Rang sechs.
















