StartArtikelNeuroathletisches Training: Golf beginnt im Gehirn

Neuroathletisches Training: Golf beginnt im Gehirn

Der Golfclub Hofgut Georgenthal geht mit Neurocoaching neue Wege im Golftraining. Experte Martin Bernitzky ist regelmäßig vor Ort und gibt sein Wissen an Mitglieder und Gäste weiter.

Martin Bernitzky Neuroathletik im Golf
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Während Neuroathletik im Fußball, Tennis oder in der Leichtathletik längst zum Trainingsalltag vieler Spitzensportler gehört, steckt der Ansatz im Golfsport noch immer in den Kinderschuhen. Im Rhein-Main-Gebiet nimmt dabei der Golfclub Hofgut Georgenthal bei Idstein eine Vorreiterrolle ein. Die Anlage bezeichnet sich als erste Neuro Based Golf Academy der Region und verbindet klassisches Golftraining mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Unterstützt wird das Konzept von PGA Professional Martin Benitzky, einem der bekanntesten Neuroathletik-Experten im deutschen Golfsport.

Neuroathletik-Fachmann Bernitzky ist gebürtiger Mittelhesse

Die Grundidee klingt ebenso einfach wie ungewöhnlich: Ein Golfschwung beginnt nicht in den Händen, Schultern oder Hüften, sondern im Gehirn. „Die meisten Golflehrer arbeiten an der Motorik. Ich frage zuerst, welche Informationen das Gehirn überhaupt erhält“, sagt Benitzky. Der gebürtige Mittelhesse kam erst mit 18 Jahren bei seiner Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann im Golfpark Winnerod zum Golf, studierte später Golfmanagement im schottischen St Andrews und arbeitet seit rund 15 Jahren als PGA Professional.

Vor etwa zehn Jahren begann er die Ausbildung beim amerikanischen Neuro-Performance-Experten Dr. Eric Cobb, dem Gründer des weltweit bekannten Z-Health-Systems. Nach eigenen Angaben war Benitzky der erste PGA Golfprofessional weltweit, der das komplette Ausbildungsprogramm absolvierte. Heute gibt er sein Wissen als Referent der PGA of Germany an Golfprofessionals in ganz Deutschland weiter.

Gangbild und Körperhaltung geben oft erste Hinweise

Im Mittelpunkt seines Coachings steht die Frage, warum sich ein Spieler bewegt, wie er sich bewegt. Bevor ein Golfer den Schläger überhaupt in die Hand nimmt, verarbeitet das Nervensystem bereits unzählige Informationen. Augen, Gleichgewichtssystem und Körperwahrnehmung liefern Daten an das Gehirn, das daraus Bewegungen steuert. „Wenn die Eingangsdaten schlecht sind, wird auch die Bewegung nicht optimal sein“, erklärt Benitzky. Deshalb beginnt sein Unterricht häufig schon vor dem ersten Schlag. Gangbild, Körperhaltung, Balance und Bewegungsmuster verraten ihm oft mehr als die ersten Probeschwünge auf der Driving Range.

Ein weiterer Grundsatz seiner Arbeit lautet: „Pain or Performance.“ Solange ein Spieler Schmerzen hat, steht Leistungssteigerung nicht im Vordergrund. Das Gehirn bewertet permanent, ob eine Bewegung sicher ist. Werden Schmerzen registriert oder droht eine Überlastung, reduziert das Nervensystem automatisch Geschwindigkeit, Bewegungsumfang oder Kraftentwicklung. Zu den ungewöhnlichsten Elementen seines Coachings gehören Übungen für Augen und Gleichgewicht. Gerade beim Putten oder bei der Distanzkontrolle spielen Blickbewegungen und visuelle Verarbeitung eine wichtige Rolle. Auch die Füße betrachtet Benitzky als entscheidende Informationsquelle für Stabilität und Bewegungsqualität.

Nick Ott führt in Georgenthal das Neuro-Based-Konzept fort

Neuroatheltik im Golf
Martin Bernitzky und sein Neuroathletik-Schützling Nick Ott. Foto: Wolfgang Scheffler

Von diesem Wissen profitiert auch der Golfclub Hofgut Georgenthal. Dort gehört neurobasiertes Training inzwischen fest zum Ausbildungs- und Unterrichtskonzept. Geprägt wurde dieser Ansatz zunächst durch PGA Professional Leigh Whittaker. Nach ihrem Abschied im Juni soll das Thema jedoch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Eine zentrale Rolle bei der Fortführung des Konzepts übernimmt Nick Ott. Der 21-Jährige begann im Alter von fünf Jahren im Golf-Club Main-Taunus mit dem Golfsport und wechselte 2015 zur neu eröffneten Anlage des Hofgut Georgenthal. Kürzlich beendete er seine Ausbildung zum PGA Professional im Golfclub Reischenhof bei Ulm. Um das Neuro-Based-Konzept weiterzuführen, absolviert er demnächst einen Lehrgang des Kölner Neuroathletik-Experten Lars Lienhard in München. Darüber hinaus wird er bei seiner weiteren Ausbildung regelmäßig von Martin Benitzky unterstützt.

Benitzky selbst ist mehrmals im Monat zu Unterrichts- und Fortbildungstagen in Georgenthal. Damit gehört die Anlage zu den wenigen Golfclubs in Deutschland, die neurozentrierte Trainingsmethoden dauerhaft in ihr Ausbildungskonzept integriert haben. Ob sich Neuroathletik langfristig als fester Bestandteil des Golftrainings etablieren wird, bleibt abzuwarten. Für Benitzky steht die Richtung jedoch fest: „Ohne funktionierendes Nervensystem funktioniert keine Bewegung.“ Und genau deshalb, davon ist er überzeugt, wird die Bedeutung neurozentrierter Trainingsansätze auch im Golfsport weiter wachsen.

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