Den Schuh, genauer gesagt: das grüne Jacket wollte Karl-Heinz Wunderlich sich nicht anziehen. Die ikonische Trophäe vom Masters in Augusta hätte er natürlich genommen, aber das Erkennungszeichen der Golf Senioren Gesellschaft (GSG) erschien ihm lange Zeit zu bieder. „Was sind das denn für welche?“, habe er gedacht, wenn er die Grünjacken gelegentlich bei ihren Zusammenkünften im Golf-Club Neuhof beobachtet habe. „Noch mit 65 Jahren habe ich mich da nicht gesehen, weil mir der Verein überaltert erschien“, sagt Wunderlich. Inzwischen ist der ehemalige Gymnasiallehrer 72, amtierender Deutscher Meister der GSG in der Altersklasse 70 – und begeistert.
Wunderlichs Blick auf die GSG hat sich gewandelt
Wunderlich sagt, sein Blick auf die GSG habe sich vollkommen gewandelt, seitdem er der Organisation vor drei Jahren beigetreten sei. Was auf den ersten Blick und aus der Ferne nicht sportlich genug ausgesehen habe, stellte sich für ihn als das ideale Mittel heraus, sich nicht mehr nur im Club und auf nationaler Ebene, sondern regelmäßig international mit anderen hervorragenden Golfern zu messen. „Die Erfahrungen, die ich seitdem gesammelt habe, kann man sich als Golfer nicht kaufen“, schwärmt er.
Man muss wissen, dass Karl-Heinz Wunderlich Sportler durch und durch ist. Er hat das Fach nicht nur unterrichtet – neben Englisch. Er liebt den Wettkampf, hat Fußball gespielt und Tennis, bis er mit 40 Jahren durch eine Schul-AG seiner Söhne erstmals mit Golf in Berührung kam. Ballgefühl und Trainingseifer brachten ihn schnell voran und bis zu einem Handicap von 3,5. Fünfmal war Wunderlich in seinem Golf-Club Neuhof Seniorenclubmeister der AK 50, zudem sechsmal in der AK 65, wo er 2025 sogar Hessenmeister wurde. Mit dem Team Hessen nahm er zweimal am Seniorenländerpokal teil. Wunderlichs wohl größter Erfolg: Der Sieg bei der Czech International Senior Amateur Championship 2015 in Karlsbad – mit seiner Frau Anne als Caddie an seiner Seite. „Ich bin happy darüber, was mir alles noch gelungen ist“, sagt er, der sein Glück nicht nur auf Golfplätzen findet, sondern auch im Wasser.
Er schwamm schon von Robben Island zum Festland
Gerade hat Karl-Heinz Wunderlich bei den Deutschen Meisterschaften der Masters im Freiwasserschwimmen in der Aggertalsperre bei Gummersbach über 2500 Meter die Bronzemedaille gewonnen. Im vergangenen Jahr wurde er in dieser Disziplin bereits Hessischer Mastersmeister (AK 65). Zehn Kilometer sind sein wöchentliches Trainingspensum in der Vorbereitung auf wichtige Wettkämpfe, wie etwa den Robben Island Swim, an dem er 2025 teilnahm: von der Gefängnisinsel, auf der Südafrikas späterer Präsident Nelson Mandela von 1964 bis 1982 eingesperrt war, zurück zum Festland.

Während Wunderlich beim Schwimmen in der SG Dreieich die physische Verausgabung sucht, stellt ihn Golf eher vor technische und mentale Herausforderungen. Seine Stärke? „Konstanz“, sagt er. Dass er keine Aussetzer habe und ein gutes kurzes Spiel inklusive Putten. Im vergangenen Jahr war er in Krefeld – dem Gründungsort der GSG – schon ganz nah dran am Deutschen Meistertitel. „Ich bin mit zwei Schlägen Rückstand Zweiter geworden hinter Friedel Müntnich und deshalb in diesem Jahr mit dem klaren Ziel angetreten, ihn zu schlagen“, so Wunderlich. Der Plan des Neuhöfers ging auf: Mit drei Schlägen Vorsprung erspielte sich der Durch-und-durch-Sportler erstmals den Deutschen Meistertitel. Wenn der Wettbewerb im kommenden Jahr im Golf-Club Neuhof ausgetragen wird, hat Titelverteidiger Wunderlich ein Heimspiel. Mit dem Sieg sicherte er sich nebenbei einen Startplatz im deutschen Team für die Europameisterschaft 2027 in Portugal.
Länderspiele mit der GSG seien unvergessliche Erlebnisse
„Ich habe vor meiner Zeit in der GSG zwar schon an internationalen Meisterschaften teilgenommen, aber es macht schon einen starken Eindruck auf einen, wenn man hinter der deutschen Fahne einläuft und sein Land vertritt“, erklärt Wunderlich. Länderspiele gegen die GSG-Pendants aus England, Finnland, Frankreich und Tschechien sowie EM-Teilnahmen in Dänemark und Finnland seien für ihn unvergessliche Erlebnisse gewesen. „Die Plätze sind super, die Hotels sind toll und man trifft viele interessante Leute und hat gute Gespräche“, so Wunderlich. Bei allem Gesellschaftlichen – das ist ihm wichtig – rücke der Sport nicht in den Hintergrund.
Das sei auch so, wenn die GSG zu ihren Regionalspielen zusammenkomme. In der Rhein-Main-Region zählen der Golf-Club Neuhof, Frankfurter Golf Club, Golf Club Hanau-Wilhelmsbad, Golfclub Schloss Braunfels und der Golfclub Taunus Weilrod zu den Clubs mit den meisten GSG-Mitgliedern. „Das Motto ist: Golf mit Freunden und mit Stil“, sagt Karl-Heinz Wunderlich. Das betreffe nicht nur die Einheitlichkeit der Kleidung, sondern auch das Auftreten während des Spiels.
Wunderlich befürwortet moderneren GSG-Dress
Wobei sich der traditionelle Dress der Golfsenioren gerade ändert: weg von den dunklen „Beerdigungshosen“, wie GSG-Präsident Kai Daube erklärt hat, hin zu freundlicherem Beige. Das Grüne Jacket bleibt erhalten, allerdings werden die Pins, die manche GSG-Mitglieder in Erinnerung an Länderspiele stolz am Revers tragen, offiziell nicht mehr gerne gesehen. „Ich stehe voll hinter den Änderungen, weil wir eine neue, modernere Linie brauchen, um uns zu verjüngen“, sagt Karl-Heinz Wunderlich. Ähnlichkeit zu nordkoreanischen Generälen schrecke dabei eher ab.

Ein Traum, den sich der Deutsche Meister Wunderlich gerne noch erfüllen würde, wäre eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Golfsenioren, die stets in den USA ausgetragen wird. „Die politischen Verhältnisse schrecken mich aber einstweilen ab“, bedauert er. Ein Trost sei ihm da Südafrika, wo er und seine Frau Anne inzwischen seit einigen Jahren überwintern. Morgens zwischen 5 und 6 Uhr aufstehen, Golf spielen, Schwimmen, Entspannen und um 21 Uhr schlafen gehen. „Wir kommen da zur Ruhe“, sagt der erfolgreiche Wettkämpfer.
















