Wenn Marco Wöhler erzählt, was er im Golf erreichen will, dann reagieren die Menschen darauf höchst unterschiedlich. Zu Hause, in Deutschland, werde er meist belächelt. „Ich will die Nummer eins der Welt werden“, sagt der 21-jährige Bad Kreuznacher, der für den Mainzer Golfclub spielt. In Kalifornien, drei Autostunden östlich von Pebble Beach, wo Wöhler seit dem Herbst am Reedley College studiert und Golf spielt, werden die ambitionierten Ziele des Deutschen respektiert. Zumal der Neuling gleich voll eingeschlagen ist. „In meinen ersten beiden Wochen hier habe ich die besten Golfrunden meines Lebens gespielt: eine 6 unter Par und eine 7 unter Par“, erzählt Wöhler. Seitdem führt im Golfteam des Junior-Colleges kein Weg mehr am „Handicap -4,8-Mann“ vorbei.
Sieg beim Saisonstart von Global Junior Golf
Eine wichtige Zwischenetappe erreichte Marco Wöhler Anfang Januar in Spanien. Beim Season-Kick-off von Global Junior Golf im Villa Padierna Golfclub holte er seinen ersten Turniersieg. Nach 36 Löchern lag er neun Schläge unter Par und qualifizierte sich damit für das Stechen um den Sieg. Drei Bahnen später hatte der Student seinen bisher größten Titel perfekt gemacht – und damit auch die Aufnahme in das World Amateur Golf Ranking (WAGR) erreicht.
Verrückt ist das Wort, das einem immer wieder begegnet, wenn man Mitstreiter, Wegbegleiter und Förderer auf Marco Wöhler anspricht. Ein Typ, der sein Selbstvertrauen nicht versteckt, der auch mal aneckt, heißt es. „Ich bin nicht der Leisegolfer“, sagt Wöhler selbst. Die Zeiten, in denen Schläger brechen mussten, um seinen Frust abzupuffern, seien allerdings vorbei, beteuert er. Er sei schon deutlich ruhiger geworden und habe aus dem ein oder anderen Fehler gelernt. „Es bringt einfach nichts, schlechten Schlägen zu viel Raum zu geben“, erklärt er. „Das macht mich nicht besser.“ Im Positiven hingegen, in „Big Moments“ wie er es nennt, lasse er seinen Emotionen bewusst freien Lauf.
Marco Wöhler begann im Golfclub Nahetal

Richtig angefangen mit dem Golf hat Marco Wöhler mit zehn Jahren im Golfclub Nahetal, wo auch seine Eltern spielen. Seine Großeltern hätten die Liebe für den Sport in der Familie gestreut, berichtet der gebürtige Münchner, der mit acht Jahren nach Bad Kreuznach kam. 2023 war Wöhler der stärkste Spieler in einem verheißungsvollen Nahetal-Team. Auf dem Papier schien der Aufstieg in der Deutschen Golf Liga machbar, ja sogar Pflicht. Gerade in den Augen des Leistungsträgers, der sich von stärkeren Gegnern als in der Landesliga positive Effekte für seine eigene Entwicklung versprach. Die Saison endete jedoch ohne Aufstieg. „Das hat mich frustriert, weil mir klar war, dass eine bessere Gelegenheit nicht kommen wird“, erinnert sich Wöhler. Mit dem Wechsel in den Mainzer Golfclub zur Saison 2024 nahm er sein sportliches Schicksal in die eigene Hand.
Unter Coach Mark Mattheis und nun Mentor Christian Bräunig hat Marco Wöhler die Fortschritte gemacht, die er sich erhoffte. „Mit Christian habe ich noch gar nicht lange zu tun, aber seine Tipps haben meinem Spiel eine ganz neue Konstanz gegeben“, schwärmt er. Länge (270 Meter Carry vom Abschlag) und Ballstriking hätten sich zudem deutlich verbessert, seitdem er in den USA ist. Dort lege sein College-Coach besonderen Wert auf die schulischen Leistungen. Wer schlechte Noten hat, spielt nicht, so die knallharte Direktive. Für Marco Wöhler ein Ansporn, nicht nur seine Golfkarriere, sondern auch sein Business-Management-Studium mit Ernsthaftigkeit voranzutreiben.
Reedley College soll nur der Anfang sein
Wenn es nach dem jungen Bad Kreuznacher geht, dann ist das Reedley College jedoch nur eine Durchgangsstation. Nach zwei Jahren in Kalifornien will Wöhler auf ein richtiges College wechseln, dessen Golf-Team in der höchsten College-Golf-Liga NCAA vertreten ist, der Division I. Dafür bringt er sich schon jetzt in Stellung, schreibt Bewerbungen und versucht sich mit Topleistungen möglichst begehrlich zu machen. „Golfprofi zu werden und zu bleiben, ist wahnsinnig schwierig, aber ich bin davon überzeugt, dass es einem der Weg über das College-Golf leichter macht“, sagt Wöhler. Perfekte Trainingsbedingungen, anspruchsvolle Plätze und starke Konkurrenz – ideale Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung als Leistungssportler.

Das Wetter spielt dabei keine unwesentliche Rolle. Etwa 17 Grad sind es am Donnerstag in Reedley/Kalifornien, als Mitte Fairway den College-Golfer per Video-Call erreicht. „Auf ein College im Norden der USA zu wechseln, ist weniger sinnvoll, weil ich dort im Winter auf Matten oder im Simulator trainieren müsste, also so wie in Deutschland“, erklärt er.
Von Mainz aus beobachtet Mentor Christian Bräunig aufmerksam, wie sich Marco Wöhler an der amerikanischen Westküste schlägt. „Er hat eine gute Mischung aus Selbstvertrauen und doch Reflexionsfähigkeit“, findet Bräunig. Was er seinem Schützling versuche mitzugeben, sei ein Verständnis dafür, wie unheimlich gut man Golf spielen muss, um auf der Tour zu bestehen. Als HotelPlanner-Tour-Spieler weiß Bräunig das nur zu gut. „Als ich das erste Mal auf die Challenge Tour kam, wie sie damals noch hieß, war ich geschockt davon, wie stark die Konkurrenz ist“, erinnert sich der Mainzer. Diesen Schock möchte er Marco Wöhler und anderen Spielern mit Tour-Ambitionen am liebsten ersparen.
















