Der Golfplatz am Edersee lag unter einer dichten Schneedecke, als die neuen Hausherren des Geländes kürzlich den symbolischen Schlüssel überreicht bekamen. Die Organisatoren und Freunde des Drachenfests, manche in Fantasy-Kostümen, andere mit Fahnen, markierten mit einem Zeremoniell ganz nebenbei das Ende des Golfspielbetriebs in Waldeck. Der Golfclub Waldeck hatte sich zuletzt vergeblich gegen die Kündigung seines Mietvertrags durch den Verpächter gewehrt. Die Waldeckische Domanialverwaltung bekam vor dem Landgericht Kassel Recht und ebnete damit den Weg für das Drachenfest auf dem Golfplatz.
Vertrautheit von Drachenfest und Verpächter stößt auf
Die Organisatoren des Live-Rollenspiels veröffentlichten in den sozialen Medien ein 13-minütiges Video von der offiziellen Schlüsselübergabe durch Hendrik Block, den Geschäftsführer der Waldeckischen Domanialverwaltung. Darin spricht ein Mitarbeiter des Drachenfests unter anderem von einer „großen magischen Landnahme“.
Nicht nur dieser Ausdruck, der einen zurzeit unweigerlich an die internationale Politik denken lässt, stößt Waldecks Clubpräsidenten Horst Kleinschmidt auf. „Die Vertrautheit, das Duzen und das Umarmen zwischen Drachenfest-Chefin Sandra Wolter und Hendrik Block erweckt den Eindruck einer Kungelei und dass der Golfclub nie eine faire Chance hatte“, sagt Kleinschmidt. Er führe ein Unternehmen mit 800 Mitarbeitern und habe rund 40 Kunden – von letzteren gleichwohl keinen je umarmt.
Golfclub Waldeck hat noch 150 Mitglieder
Der Golfclub Waldeck hat damit begonnen, seinen nun überflüssig gewordenen Maschinenpark zu verkaufen. Auf 50.000 Euro schätzt der Vorstand den Wert. Etwa 150 Mitglieder zähle der gemeinnützige Verein noch, berichtet Präsident Kleinschmidt. Mannschaftsspieler hätten sich anderen Clubs angeschlossen.

Die bisherigen neun Mitarbeiter hätten Ende November ihre Kündigung erhalten. „Unser Club versinkt jetzt vorerst im Passiven“, sagt er. Allerdings werde der Club sich nicht auflösen. Der Vorstand überlegt laut Kleinschmidt, wie die verbliebenen Flächen rund um das Clubhaus – samt Kurzspielbereich – zukünftig zu nutzen seien.
„9-Loch-Golfplatz für Drachenfest vermutlich unbrauchbar“
Abenteuergolf und Frisbeegolf seien erste Ideen. „Vielleicht können wir mit Schulen kooperieren, um Kinder an den Golfsport heranzuführen, zumindest über das Putten und Chippen“, sagt Horst Kleinschmidt. Hätte die Stadt Waldeck Interesse an einem Golfplatz, könne sie auch den bisherigen öffentlichen 9-Loch-Platz erhalten. Dessen Fläche sei zu steil und für das Drachenfest vermutlich unbrauchbar. „Uns gegenüber hat die Stadt ja vor nicht allzu langer Zeit noch betont, wie wertvoll der Golfplatz für die Region und den Tourismus sei“, so der Clubpräsident.
Den bisherigen 18-Loch-Golfplatz werde er indes auch in Zukunft aufmerksam im Blick behalten. „Wenn das Drachenfest die Biotope auf dem Golfplatz zerstört, die wir über Jahrzehnte gepflegt haben, wird das nicht unentdeckt bleiben.“ Der Golfclub werde in diesem Fall die Naturschutzbehörden einschalten.











