Das neue Hanauer Ehrenmitglied Alex Cejka hatte es sich am ersten Spieltag der Deutschen Golf Liga (DGL) nicht nehmen lassen, für seinen Golf Club Hanau-Wilhelmsbad in der Regionalliga aufzuteen. Beim Auswärtsspiel im Golf-Club Maria Bildhausen stellte der PGA-Tour-Sieger und mehrfache Senior-Major-Gewinner Cejka kurzerhand einen neuen Platzrekord auf: 66 Schläge, sechs unter Par. Insgesamt blieben die Hanauer Herren zum Saisonstart aber 75 Schläge über Par, was nur für Platz vier reichte. Das Ergebnis offenbarte, dass der Klassenverbleib eine Menge Arbeit wird. Hilfe dabei bekamen sie jetzt von Shortgame-Guru Ian Holloway, der in Hanau zwei Tage lang mit Mitgliedern und Teams das kurze Spiel trainierte. Annähern an die Leistung von Mannschaftskamerad Alex könnte man sagen – oder: Chippen wie Cejka.
Ian Holloway betreut zahlreiche Tourspieler
Ian Holloway hat für Trainer-Ikone David Leadbetter 18 Jahre lang als Top-Coach rund um den Globus gearbeitet und ist seit 2023 im Golfclub Hubbelrath in Düsseldorf zuhause. „Ich brenne für das kurze Spiel“, sagt der 45-jährige Engländer. In dieser vermeintlichen Nische ist Holloway inzwischen sehr gefragt. Für mehrere Landesgolfverbände, das Golf Team Germany und den Schweizer Golfverband gibt er Kurse, betreut Tourspieler und – wie in Hanau – auch Clubgolfer.
„Die Idee, mich auf das Shortgame zu spezialisieren, entstand aus der Zusammenarbeit mit Max Kieffer“, sagt Holloway in der Mittagspause auf der Hanauer Clubhausterrasse. Kieffer habe ihm eine Frage zum kurzen Spiel gestellt, es ging um technische Feinheiten, und Holloway hatte die Antwort nicht parat. „Das hat mich getriggert und ich habe dann stundenlang recherchiert und mich immer tiefer in die Materie eingearbeitet.“ 2018 war das. Dann kam Corona. Viel Zeit zum Lernen, und es reifte in Holloway die Erkenntnis: „Deutschland hat Bedarf für einen Kurzspiel-Spezialisten.“
Nicht auf Teufel komm raus das Up & Down versuchen
Der Shortgame-Kurs im Golf Club Hanau-Wilhelmsbad hat es in sich, er dauert von 9 bis 18 Uhr. Holloways ehrliche Bilanz beim Mittagessen: „Hier gibt es Luft nach oben, technisch wie strategisch.“ Ein Glaubenssatz, den er den Mannschaftsspielern vermittelt, ist, dass man nicht überall auf Teufel komm raus ein Up & Down spielen muss. Niemand wolle auf dem Platz Schläge verschenken, aber oft führten allzu wagemutige Scrambling-Versuche in größere Katastrophen.

Den Morgen und Vormittag über habe er den Kursteilnehmern um Robert Pscheid, Dr. Nicholas Zeitler und Präsidentin Dorothea Christ die wichtigsten technischen Parameter beim Chippen vorgestellt. „Der saubere Kontakt beziehungsweise Strike ist die Basis für alles“, betont Holloway. Eine bewusste Flugbahn zu spielen, Gefühl für den Schlag zu entwickeln und letztlich Selbstvertrauen im kurzen Spiel aufzubauen, folge dann Schritt für Schritt. „Ein guter Shortgame-Spieler ist eigentlich nie überrascht, sondern hat das Vorstellungs- und Urteilsvermögen, in jeder Lage das Richtige zu tun“, so Holloway. Dazu gehöre auch eine realistische Selbsteinschätzung. „Es ist kein Zufall, dass es von Bernhard Langer und Jack Nicklaus keine Videos beim Flopshot gibt.“ Schläge zu vermeiden, die man nicht sicher kann, ist laut Holloway eine Qualität.
Holloway: „Ist das kein Golf? Bullshit!“
Am Nachmittag lautet die Aufgabe für die Kursteilnehmer in Hanau, aus ein und derselben Lage rund ums Übungsgrün mehrere Bälle mit verschiedenen Schlägern zu spielen: vom Putter bis zum Holz. Holloway macht es vor. Fast zehn Meter puttet er über das Vorgrün, bevor der Ball das Grün erreicht und einen halben Meter neben der Fahne liegen bleibt. Unkonventionell, aber erfolgreich. „Ist das kein Golf?“, fragt er. „Nur weil wir gelernt haben, dass man hier eher chippt? Das ist Bullshit.“ Was zähle, sei das Ergebnis – und sich beim Schlag wohlzufühlen. Eine Qualität, die Tourspieler wie Nicolai von Dellingshausen, Max Kieffer oder die Schweizerin Chiara Tamburlini haben. Sie gewann unter Holloways Anleitung als „Rookie of the Year” drei Turniere der Ladies European Tour und holte sich auch den Gesamtsieg der LET Order of Merit 2024. Die PGA of Germany wählte Ian Holloway im selben Jahr zum Teacher of the Year.

Durch ein gutes kurzes Spiel immer ein oder zwei Fuß näher an der Fahne zu liegen, könne auf der Tour einen Unterschied von einer Million Euro Preisgeld pro Jahr ausmachen, sagt er. Für die Herren des Golf Club Hanau-Wilhelmsbad könnte eine bessere Shortgame-Performance am Ende der Saison den Klassenverbleib in der Regionalliga sichern. Das ist das erklärte Ziel von Team-Coach Johannes Osenberg. Am letzten Spieltag, am 19. Juli, wird auf eigenem Platz voraussichtlich auch Alex Cejka wieder dabei sein.
















